Vor 17 Jahren ermordet: Der kämpferische Gewerkschafter Virgil Săhleanu

Der kämpferische Gewerkschafter Virgil Săhleanu.

Mit dem Systemwechsel von dem fälschlich als „Sozialismus“ bezeichneten Staatskapitalismus zum Privatkapitalismus in Rumänien nach 1989, erschienen zahlreiche Millionäre, Konzerne und Investment-Gesellschaften im Land. Ihr Interesse bestand u.a. im Aufkauf von Fabriken, Rechten und Ländereien, die bislang Eigentum des rumänischen Staates waren, und die dieser an finanzkräftige „Investoren“ verkaufen wollte. Diese versprachen sich durch den Übergang in den Privatbesitz hohe finanzielle Profite. Unternehmen sollten entweder aufgelöst oder „modernisiert“ werden. In beiden Fällen führte dies zu zahlreichen Entlassungen der bislang dort arbeitenden Männer und Frauen. Der Wechsel vom Staats- zum Privatkapitalismus hatte dadurch für die Arbeiterinnen und Arbeiter im wirtschaftlichen und sozialen Bereich eine weitere Verarmung sowie eine generelle Unsicherheit über die eigene Gegenwart und Zukunft zur Folge.

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Vor 90 Jahren wurden die Arbeiter und Anarchisten Sacco und Vanzetti ermordet

„Lang lebe die Anarchie!“

(Die letzten Worte Nicola Saccos vor seiner Hinrichtung)

Trotz erwiesener Unschuld wurden die Anarchisten Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti am 23. August 1927 in den USA auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Die US-amerikanische Klassenjustiz im Zusammenspiel mit Polizei und Kapitalisten hatte sich die rücksichtslose Bekämpfung der großen und kämpferischen revolutionären Arbeiterbewegung zum Ziel gesetzt. An ihrer Spitze standen oftmals Anarchisten als entschiedenste Kräfte im Tageskampf um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen und für eine klassenlose und ausbeutungsfreie Gesellschaft.

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“We miss a clear head and the will to engage, to join and to open up to these revolts as anarchists.”

Adrian Tătăran.

Interview with the Philosopher and Anarchist Adrian Tătăran.

BUNĂ: Dear Adrian, how have you reached the interest, to deal with the topic of anarchism and history in Romania?

Adrian Tătăran: I started to get an interest in the anarchist ideas and movement about ten years ago when I first got my hands on a Romanian translation of Bakunin’s “God and the State”. Looking back, I can say now that this incendiary text was like a spark that lighted up and gave clear expression to many ideas and that I diffusely already had.

I grew up in Romania in the ’90. It was a quite chaotic and unsettling time, following a brutal dictatorship whose traces were still present in society. I grew up as a metalhead in a country that was at the time particularly conservative and authoritarian. We weren’t politically conscious in a formal manner and we hardly knew what anarchism was. However, we lived metal as a way of rebelling. We actually created a small society together, a sort of counter-community where we could be free, here and now; free from the all this “wave of deceit, cunning, exploitation, depravity, vice – in a word, inequality – which they have poured into all our hearts”, as Kropotkin would have probably put it; free from obedience, fear and uniformity masquerading as the highest form of morals; free from a dead-end future as dead-end human beings. This is why for me the encounter with Bakunin’s text was a liberating and powerful experience.

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Sommer-Ausgabe des libertären Rumänien-Magazins BUNĂ erschienen

Libertären Lesestoff zu Rumänien bietet die soeben erschienene 5. Ausgabe des anarchistischen Rumänien-Magazins BUNĂ. Den Schwerpunkt bilden Berichte und Analysen zu den massenhaften Anti-Korruptions-Protesten gegen die Regierung Anfang des Jahres. Wir haben dazu einen Text von Ovidiu Țichindeleanu übersetzt, der sich kritisch und distanzierend zu dieser Protestbewegung äußert. Auch wenn wir viele darin vertretene Ansichten nicht teilen, haben wir uns nach Diskussion entschieden, den Text in das Heft aufzunehmen. Denn er spiegelt wider, was der größte Teil der intellektuellen, mehr oder weniger unabhängigen Linken in Rumänien, zu den Protesten denkt. Die Einschätzung ist zudem für die Menschen außerhalb Rumäniens von Wert, um zu verstehen, welche Überlegungen verschiedene Gruppen anstellen.

Wir freuen uns, ein Interview mit dem Anarchisten und Philosophen Adrian Tătăran präsentieren zu können. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit, die Geschichte und Rezeption des Anarchismus in Rumänien und fragten nach seiner Einschätzung zu den Massenprotesten und den möglichen Aufgaben und Perspektiven von Anarchistinnen und Anarchisten im Land. Dieses Interview werden wir in Kürze auch in Englisch auf unserem Blog veröffentlichen.

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BUNĂ on tour

Bei folgenden Gelegenheiten könnt ihr mit uns persönlich in Kontakt treten. Wir sind jeweils mit einem Infostand/Büchertisch vertreten und freuen uns auf neue und alte Bekannte und interessante Gespräche. Haideți!

21. – 23. April 2017 Mannheim: 4. Anarchistische Buchmesse, Jugendkulturzentrum Forum, Neckarpromenade 46, 68167 Mannheim.

1. Mai 2017 Bremen: Unabhängiges Straßenfest in der Buchtstraße (Innenstadt/Nähe Domsheide) ab 11:00 Uhr.

Kapitalismus mordet: Verdünnte Desinfektionsmittel von Hexi Pharma führen zu tausenden Toten

Erschienen in BUNĂ #4

Im Mai 2016 führte die Schritt für Schritt umfassender werdende Aufdeckung einer jahrelang betriebenen Manipulation mit verdünnten und unwirksamen Desinfektionsmitteln, Antiseptika und Bioziden zu großen Protesten der Bevölkerung, zum Rücktritt des Gesundheitsministers und dem bislang ungeklärten Tod eines Hauptverantwortlichen der systematischen Manipulationen. Auf Kosten des Lebens und der Gesundheit von PatientInnen haben sich die Geschäftsführer des rumänischen Pharmaunternehmens HexiPharma und zahlreiche geschmierte ÄrztInnen und Verwaltungschefs von Krankenhäusern und Hospitälern über Jahre eine goldene Nase verdient, während PatientInnen in den Krankenhäuser starben, da die vom Unternehmen verkauften Mittel unwirksam waren.

Anfang Mai fanden sich erste Meldungen in der Presse, die über mit Wasser verdünnte Antiseptika und Desinfektionsmittel berichteten. Diese nach Operationen in Krankenhäusern bei PatientInnen sowie zur Desinfektion von Besteck und Gebäude eingesetzten Mittel waren unwirksam. Daraufhin begann der Journalist Cătălin Tolantan mit Recherchen und brachte eine Aufklärungswelle ins Rollen. Auch das unabhängige Aufklärungsprojekt „Riseproject“ lieferte wichtige Informationen. Aufgrund des öffentlichen Drucks schaltete sich das Gesundheitsministerium ein, und führte Kontrollen in verschiedenen Hospitälern und Krankenhäusern durch. Dort wurden zahlreiche manipulierte Mittel von HexiPharma, dem rumänischen Marktführer an Desinfektionsmitteln, entdeckt.

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Vortrag zur Geschichte des Anarchismus in Rumänien

limogesAm Dienstag, den 10. Januar 2017, hält Adrian Tătăran von der Universtität Babeș-Bolyai aus Cluj-Napoca, in Limoges (Frankreich) einen Vortrag zum Anarchismus in Rumänien. Die Veranstaltung steht unter dem Titel “L’ Anarchisme en Roumanie – Exilés, nihilistes, oubliés, vaincu? Une histoire libertaire qui reste à écrire” und ist in französischer Sprache.

Ort: Limoges, Local EAGR, 64 avenue de la Révolution. Beginn: 20.30 Uhr. Um Voranmeldung unter cira.limousin(a)free.fr wird gebeten, da die Plätze begrenzt sind. Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist das Centre International de Recherches sur l’Anarchisme (CIRA).