Vortrag zur Geschichte des Anarchismus in Rumänien

limogesAm Dienstag, den 10. Januar 2017, hält Adrian Tătăran von der Universtität Babeș-Bolyai aus Cluj-Napoca, in Limoges (Frankreich) einen Vortrag zum Anarchismus in Rumänien. Die Veranstaltung steht unter dem Titel “L’ Anarchisme en Roumanie – Exilés, nihilistes, oubliés, vaincu? Une histoire libertaire qui reste à écrire” und ist in französischer Sprache.

Ort: Limoges, Local EAGR, 64 avenue de la Révolution. Beginn: 20.30 Uhr. Um Voranmeldung unter cira.limousin(a)free.fr wird gebeten, da die Plätze begrenzt sind. Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist das Centre International de Recherches sur l’Anarchisme (CIRA).

 

Arbeiterinnen und Arbeiter aller Länder – vereinigt euch! Proletari din toate țarile – uniți-vă!

Für anarchistischen Sozialismus! Pentru socialism libertar!

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Diesen Aufkleber gibt es über die Redaktionsadresse zu beziehen. Größere Mengen versenden wir gegen Spende.

In ganz Europa wachsen nationalistische Bewegungen, Regierungen weisen vor Krieg und Elend fliehende Menschen zurück, misshandeln sie an den Grenzen. Mit dem Nationalismus eng verbunden sind gerade in Osteuropa die Kirchen. In Ungarn und Rumänien vertreten sie extrem reaktionäre Positionen. Teilweise sind sie offen faschistisch. Sie sind Bastionen der Frauenunterdrückung und Frauenverachtung, des Hasses gegen Homosexuelle und der sexuellen Selbstbestimmung. Die Lebensbedingungen in den Ländern Osteuropas sind für die große Mehrheit der Bevölkerung prekär. Die Armut ist groß. Auch hier in Mitteleuropa arbeiten und leben zunehmend mehr Menschen unter prekären Bedingungen. Arbeitsverträge sind befristet, Löhne niedrig, viele brauchen mehrere Jobs, um sich und ihre Angehörigen über die Runden zu bringen. Die Zeitarbeit boomt und damit die Unsicherheit über das Leben morgen. Aus Osteuropa emigrieren immer mehr Menschen nach Deutschland und Westeuropa. Hier hetzen Nationalisten und „Patrioten“ gegen sie und propagieren reaktionäre, falsche Werte. Sie wollen weniger Freiheit, einen repressiven Staat, rassistische Politik und sehen Nichtdeutsche als Menschen zweiter Klasse. Dabei verbindet uns alle, die wir uns für unsere Existenz prostituieren/verkaufen müssen, viel mehr, als uns trennt. Wir werden vom selben System drangsaliert, müssen unsere Lebenszeit und Gesundheit an das Kapital verkaufen. Als Baustein in der Kette der Repression haben die Staaten rechtliche Unterschiede aufgrund der Herkunft der Menschen in Gesetzen festgeschrieben. Viele eingewanderte ArbeiterInnen leben dadurch illegal, entrechtet, haben kein Bleiberecht. Nutznießer dieses menschenverachtenden Zustandes ist einmal mehr das Kapital und mehrheitlich die reiche Bevölkerungsschicht. Arbeitern auf Baustellen wird der Lohn vorenthalten, bei Arbeitsunfällen sind die Kollegen auf sich alleine gestellt, Kindermädchen und Hauswirtschafterinnen müssen sich schlecht bezahlt um den Nachwuchs der Reichen sorgen. Dabei sollen sie noch dankbar darüber sein, diese Stellen erhalten zu haben. Das ist das System der Kapitalisten, der Menschenfresser – es ist ihre Gesellschaft, nicht unsere.

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BUNĂ – Libertäres Rumänien-Magazin – Herbst 2016 erschienen

buna-4-titelDie vierte Ausgabe des libertären Rumänien-Magazins BUNĂ ist soeben erschienen. Über den Inhalt der vierten Ausgabe schreibt die Redaktion im Editorial:

Auch das vorliegende vierte Heft ist wieder voll gepackt mit informativen Nachrichten und Texten. Doch der Nachrichten sind so viele, dass wir auch bei dieser Ausgabe aus Platzgründen auf einige Neuigkeiten verzichten mussten. (…) Im gewohnt detaillierten Nachrichtenblock erörtern wir wichtige Ereignisse und Entwicklungen in Rumänien. So hält die Kriegsgefahr weiter an und weiteres Kriegswerkzeug wurde im Land stationiert. Wir beleuchten Aktivitäten von Faschisten und erörtern ausführlich das mörderische Zusammenspiel von Kapitalismus und Korruption im Fall der wirkungslosen Desinfektionsmittel von HexiPharma.

Wir freuen uns, einen kenntnisreichen Artikel über den Fußball und die Fußball-Fanszene in Rumänien veröffentlichen zu können. Auch hier sind Korruption und Nationalismus allgegenwärtig. Einen Schwerpunkt der vorliegenden Ausgabe bildet eine Buchbesprechung zur Umsiedlung der Bessarabiendeutschen 1940. Die deutsche Volksgruppe mit ihren tief verwurzelten reaktionären und konservativen Ansichten aus der Schwarzmeer-Region sollte im besetzten Polen angesiedelt werden. Jüngere Bessarabiendeutsche gehörten der nationalsozialistischen „Erneuerungsbewegung in Rumänien“ und der Waffen-SS an.

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Antifaschistische Position von „Salvați Roșia Montană“ nur Fassade für westliche Gruppen?!

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Antifaschist nach körperlichem Angriff von Faschisten während der Proteste für Roșia Montană in Bukarest. Der Angriff fand statt, weil er nicht in rumänisch sprach und keine Nationalflagge mit sich trug. Der Angriff erfolgte, nachdem sich der Protestzug mit dem Marsch „Bessarabien ist rumänisches Land“ vereinte.

2014 kam es zu physischen Angriffen von Faschisten (Neolegionären) auf antifaschistische TeilnehmerInnen des größten Widerstandsfestivals Rumäniens gegen die chemische Goldauswaschung in den Apuseni-Bergen: dem FânFest in Roșia Montană. Während der Attacken griff niemand der Umstehenden ein. Auch die Organisatoren der „Salvați Roșia Montană“-Kampagne („Rettet Roșia Montană“) um die Gruppe „Alburnus Maior“ sah keine Notwendigkeit, gegen die Faschisten aktiv zu werden. Auch als ihnen der Angriff berichtet wurde, verhielten sie sich passiv und schlossen die dutzenden, faschistische Abzeichen und Uniformen tragenden Neolegionäre nicht von dem Festival aus. Aus dem antifaschistischen Spektrum Rumäniens wurde der Angriff aufgegriffen und von Alburnus Maior eine schriftliche Stellungnahme eingefordert (Siehe dazu BUNĂ #1). Auf alle Anschreiben reagierte Alburnus Maior nicht. Daraufhin wandten sich rumänische Antifaschisten in einem Offenen Brief mit dem Titel „Gegen die Ignoranz faschistischer Gewalt in Rumänien“ an die „Salvați Roșia Montană“-Kampagne und die Öffentlichkeit. Das Schreiben wurde von libertär-antifaschistischen Vereinigungen in Rumänien und verschiedenen anarchistischen und anarcho-syndikalistischen Gruppen aus Deutschland unterzeichnet, darunter von der Redaktion der BUNĂ sowie dem Verlag Barrikade.

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Buchbesprechung: Das revolutionäre Rumänien vor Augen

cover-militant-gheorghiu-buchNach der 2013 erschienenen Biografie über den rumänischen Anarchisten und publizistischen (Arbeiter-) Aktivisten Panait Mușoiu hat der anarchistische Syndikalismusforscher Martin Veith eine weitere Studie vorgelegt.

Sein soeben neu erschienenes Buch behandelt auf knapp 300 Seiten das Leben und die Aktivitäten des Arbeiters, Syndikalisten und anarchistischen Kommunisten Ștefan Gheorghiu. Mit diesem Buch korrigiert er einige Falschinformationen und Darstellungen. Denn während der kommunistischen Herrschaft, besonders zu Zeiten Ceaușescus, machte die Partei einen stromlinienförmigen Parteisoldaten aus Gheorghiu. Sie stellten ihn als Marxisten und Sozialdemokraten dar, als Vorkämpfer der kommunistischen Partei und benannten sogar die Parteihochschule nach ihm. Bis zum Sturz Ceaușescus war der Name Gheorghius regelmäßig in Schule und Presse zu hören. Er wurde für die Propaganda des Regimes missbraucht. Wie das Buch darlegt und mit Aussagen von Gheorghius Freunden und Kampfgefährten belegt, war er aber alles andere als ein angepasster Parteimensch. Mit seinen Ansichten und Aktionen, getragen von einem anarchistischen Geist und stark durchdrungen von den französischen syndikalistischen Theorien, sowie dem Willen zu direkter Veränderung, geriet er in viele Auseinandersetzungen innerhalb der vielschichtigen rumänischen Linken in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

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100 Jahre Sabaté – Ein militanter Anarchist und Antifaschist

Sabate Buna2BUNĂ Nr. 3 – Frühjahr 2016

Im Herbst 2015 publizierte die BUNĂ einen Aufkleber, um an Francesc Sabaté zu erinnern. Der spanische Anarchist, Syndikalist und antifranquistische Widerstandskämpfer Francesc Sabaté Llopart wäre 2015 100 Jahre alt geworden. In Spanien ist er ein lebendiges Symbol für einen konsequenten anarchistischen Kampf gegen die Organe der Unterdrückung und den Faschismus. In Deutschland wurde sein 100. Geburtstag von der libertären und antifaschistischen Bewegung leider kaum beachtet. Für uns ist dieser Umstand ein wichtiger Grund an den Menschen und Kämpfer zu erinnern. Diesem Ziel dient der zweisprachige, in deutsch und rumänisch gehaltene Aufkleber, den wir auch dieser Ausgabe beilegen.

Sabate wurde am 30. März 1915 in der katalanischen Stadt L’Hospitalet de Llobregat in einer Arbeiterfamilie geboren. Schon früh lehnte er sich gegen Ungerechtigkeiten und vom Bürgertum als „Autoritäten“ begriffene Machtmenschen auf. So wehrte er sich bereits im Alter von zehn Jahren gegen die Schläge durch einen Priester in einer katholischen Schule, die er daraufhin verließ.

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BUNĂ 3 – Frühjahr/Primăvară 2016 erschienen – Editorial

Titel BUNA 3Die dritte Ausgabe des libertären Rumänien-Magazins BUNĂ ist soeben erschienen. Über den Inhalt der dritten Ausgabe schreibt die Redaktion im Editorial:

“Liebe Leserinnen und Leser, diese Zeilen werden in bewegten Zeiten geschrieben. Millionen Menschen sind aufgrund von Krieg, Mord, Versklavung und Vertreibung auf der Flucht. Religiöse Faschisten ermorden kritische und libertäre JournalistInnen, ermorden KonzertbesucherInnen. Kritik an Religionen, an „Gott“, Lebensfreude und Heavy Metal ist ihnen „Sünde“. Das haben der Islamische Staat als auch die Rumänisch-Orthodoxe Kirche gemeinsam. Nach dem verheerenden Brand während eines Heavy Metal Konzertes im Bukarester „Colectiv-Klub“ wurden aus der orthodoxen Kirche Stimmen laut, die verbrannte und verletzte BesucherInnen als „Satanisten“ bezeichneten. Die ideologischen Welten des Islamischen Staates und der Rumänisch-Orthodoxen Kirche liegen also gar nicht so weit auseinander.

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