Editorial BUNĂ #2 – Sommer/Vară 2015

BUNA2 TitelLiebe Leserinnen und Leser,

die Reaktionen, die wir nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe der BUNĂ erhielten, waren durchgängig positiv. Hervorgehoben wurde besonders die Themenvielfalt, die einen gründlichen Einblick in die rumänische Gesellschaft ermögliche. Diese Anerkennung freut uns sehr und ist uns ein Ansporn, auf diesem Weg weiter zu machen. Allerdings werden ab dieser Ausgabe englischsprachige Beiträge exklusiv auf unserem Blog veröffentlicht. Der beschränkte Platz im Heft hat uns dazu veranlasst. Die BUNĂ war bei verschiedenen linken und libertären Medienmessen sowie Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum präsent. Am 1. Mai beteiligten wir uns auf dem DGB- unabhängigen Buchtstraßenfest in Bremen.

Aus Rumänien selbst gibt es leider kaum positives zu vermelden. Die staatlichen Vorbereitungen für einen möglichen Kriegsfall mit Russland laufen weiterhin auf Hochtouren. Militärische Übungen und Simulationen des Katastrophenschutzes im Ernstfall wurden im Juni landesweit durchgeführt. Bei manchen Reden von Politikern gewinnt man den Eindruck, dass sie es geradezu auf eine Konfrontation anlegen. Und ebenfalls im Juni beschlossen NATO und USA die Stationierung umfassenden Kriegsgeräts in Osteuropa, so auch in Rumänien.

Auch andere weltweite Auseinandersetzungen finden ihren Weg nach Rumänien. So kam es in Bukarest zum Versuch der Anwerbung von Kämpfern für die Dschihadisten des „Islamischen Staates“. Während wir diese Zeilen schreiben, wird die Stadt Kobanê, ein Symbol des tapferen Widerstandes gegen jede Form reaktionärer Ideologie und des friedlichen Zusammenlebens, abermals von den religiös-faschistischen Einheiten des IS angegriffen. Um den Faschisten Einhalt zu gebieten, ist die Kampagne „Waffen für Rojava“ so wichtig. Bitte beachtet unseren entsprechenden Aufruf im Heft.

Im Nachrichtenteil berichten wir u.a. über zahlreiche Korruptionsfälle und Verhaftungen hochrangiger Politiker und Wirtschaftsbosse. Doch das bloße Herumdoktern an der Korruption bringt keine grundsätzliche Veränderung. Wenn gegen die Korruption und die Einflussnahme auf politische Entscheidungen nicht nur oberflächlich sondern nachträglich angegangen werden soll, dann muss mit der Bekämpfung an ihren Ursachen angesetzt und das Bewusstsein dafür geschaffen werden. Die Wurzeln von Korruption liegen in Macht, Hierarchie, Kapitalismus, Staat, Privateigentum. Da deren Abschaffung nur im Zuge einer sozialen Revolution durchgesetzt werden kann, haben wir die vorliegende Ausgabe unter dieses Motto gestellt. Die soziale Revolution ist dabei mehr als nur das Ende von Unrecht und Ausbeutung. Sie erschließt den Weg zu einem Leben in Freiheit, Würde und Selbstbestimmung, die so vielen von uns durch das kapitalistische System, durch patriarchalische Strukturen und Machtverhältnisse immer wieder geraubt werden.

Mit großer Aufmerksamkeit werden wir ein angekündigtes Gerichtsverfahren gegen Polizisten, Richter, Anwälte und Geschäftsleute verfolgen, die am Menschenhandel und der sexuellen Ausbeutung von jungen Mädchen und Frauen beteiligt waren. (Siehe S. XX)

Interessante Ansichten und Einsichten aus anarchistischer Perspektive gewähren uns zwei Interviews. Rede und Antwort standen der in Frankreich lebende Schriftsteller und Anarchist Nicolas Trifon sowie Genossinnen und Genossen aus der west-rumänischen Stadt Craiova. Nachrichten, Buchbesprechungen und -vorstellungen runden die zweite Ausgabe ab. Wir wünschen interessante und erkenntnisreiche Lektüre.

Die Redaktion

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