Bessarabiendeutsche: Täter oder Mitläufer?

Bessarabiendeutsche: Täter oder Mitläufer?

Das Buch Die „Rückführung“ der Volksdeutschen am Beispiel der Bessarabiendeutschen von Heinz Fieß ist eine vertane Chance, bessarabiendeutsche Geschichte durch Aktive der Bessarabiendeutschen Gemeinschaft endlich kritisch zu behandeln.

Ende 2015 erschien im Selbstverlag ein Buch des langjährigen Funktionärs der bessarabiendeutschen Landsmannschaft (heute Bessarabiendeutscher Verein e.V.) und Redaktionsleiters deren Mitteilungsblattes, Heinz Fieß. Unter dem Titel „Die ‘Rückführung’ der Volksdeutschen am Beispiel der Bessarabiendeutschen“ behandelt er die Umsiedlung der ca. 95.000 Bessarabiendeutschen im Jahre 1940. Aufgrund seiner langen Beschäftigung mit den Belangen der Bessarabiendeutschen, seiner Bekanntschaft mit Teilnehmern der Umsiedlung sowie deren Erfahrungsberichten und dem Umstand, dass der Autor selbst aus einer bessarabiendeutschen Familie stammt, sollte man von dem vorliegenden Buch detaillierte Einblicke in den Ablauf der Umsiedlung, aber auch zu den gesellschaftlichen Hintergründen dieser kaum bekannten deutschen Volksgruppe erwarten können.

Das thematisch in drei Teile untergliederte Buch (1. Teil: Die Umsiedlung, 2. Teil: Aufenthalt in den Lagern, 3. Teil: Ansiedlung in Polen) hat seine Stärken bei der Beschreibung von Um- und Ansiedlungen sowie der aus wissenschaftlichen Arbeiten gespeisten Darstellung des staatlichen und völkischen Rassismus Nazi-Deutschlands und der faschistischen Vernichtungspolitik in Osteuropa. Leider verfällt der Autor an vielen Stellen im Buch in altbekannte Rechtfertigungs- und Entschuldigungsmuster, wonach die Bessarabiendeutschen von den wirklichen Absichten der Nazis und Hitlers kaum etwas hätten geahnt haben können.1 Eine kritische und aufrichtige Auseinandersetzung mit der tief wurzelnden und breiten antisemitischen und faschistischen Bewegung unter den Bessarabiendeutschen bleibt aus. Positiv hervorzuheben ist hingegen die Zurückweisung rassistischer Einstellungen und die Ablehnung heutiger rechter und sog. rechts-populistischer Bewegungen, die sich gegen Flüchtlinge richten. Fieß spricht zudem im Blick auf die Gräuel der faschistischen Massenvernichtung und Vertreibung in Polen glaubhaft der Versöhnung das Wort. Schade, dass durch seine zuvor getätigten Rechtfertigungen ein zwiespältiger Eindruck bleibt.

Bessarabien

Das Buch wendet sich in erster Linie an Leser aus der bessarabiendeutschen Landsmannschaft. Dies erklärt das Fehlen eines kurzen historischen Überblicks über die Entstehung der Bessarabiendeutschen und ihr historisches Siedlungsgebiet. Dieses erstreckt sich heutzutage vom Schwarzen Meer ausgehend über die südliche Ukraine und die Republik Moldawien und liegt zwischen den Flüssen Dnister und Pruth. Damals wie heute ist die Region stark landwirtschaftlich geprägt und von steppenartigen Gegenden bestimmt. Eine solche Darstellung, unter Einbeziehung der wechselnden politischen Machtsysteme (zaristisches Russland, Groß-Rumänien, Sowjetunion) wäre Leserinnen und Lesern ohne Vorkenntnisse entgegengekommen. So kommen die in Zitaten von Zeitzeugen enthaltenen Hinweise auf die zeitweise rumänische Hoheit über Bessarabien (zwischen den beiden Weltkriegen) unvermittelt. Deutsche Siedler, hauptsächlich aus Südwestdeutschland, ließen sich ab 1814 in dieser Region nieder, um das Land zu bestellen. Die russische Zarin sicherte ihnen Landbesitz, die zeitweise Befreiung vom Militärdienst und vor allem Schul- und Religionsfreiheit zu. In ihrer großen Mehrheit handelte es sich bei den deutschen Ansiedlern um fundamentalistische evangelische Christen verschiedener Glaubensrichtungen. Zudem war ihnen ein elitäres, auch rassistisch begründetes, Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Volksgruppen eigen. Die klerikal-feudalistisch-patriarchale, undemokratische Ordnung der bessarabiendeutschen Gemeinschaften ist Fieß ebenfalls keine gesonderte Erwähnung wert, obgleich darin schon die Saat für das spätere Anwachsen der, in Konkurrenz zueinander stehenden, organisierten faschistischen Bewegungen unter den Bessarabiendeutschen reifte. So gab es unter den ärmeren Bessarabiendeutschen zahlreiche Anhänger der rumänischen faschistischen Bewegung um A.C. Cuza und seiner National-Christlichen Partei (Partidul Național-Creștin), die in manch bessarabiendeutscher Gemeinde eigene paramilitärische Einheiten, die sog. Lanzenträger, (Lăncieri) aufstellte. Ihnen gegenüber stand die „Nationalsozialistische Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien“ (NEDR).2

Bis zu einem gewissen Grad konnten bessarabiendeutsche Gemeindedörfer eigenmächtig Strafen verhängen, wozu auch das öffentliche Auspeitschen gehörte. Ein ohne Nachnamen zitierter Zeitzeuge erklärt: „Traditionell ist der bessarabiendeutsche Vater ein erzkonservativer Patriarch, dessen Meinung man zu achten hatte.“ Bei Widerspruch konnte es Prügel geben. (S. 117) Pfarrer, Lehrer, Professoren und Großgrundbesitzer galten der bessarabiendeutschen Mehrheit als zu verehrende Autoritäten.

Der Leser, der sich ohne Vorkenntnisse an das Buch begibt, erhält weiterhin den Eindruck, als ob in Bessarabien nur Deutsche lebten, die einer russischen Verwaltung unterstanden. Die Vielvölkerregion Bessarabien taucht allenfalls in kurzen Zitaten auf. Dabei lebten dort Russen, Ukrainer, Roma, Rumänen, Gagausen, Bulgaren und zahlreiche Juden, die mehrheitlich einen Teil des ländlichen und städtischen Proletariats bildeten. Antisemitische Pogrome forderten immer wieder Tote. Der Antisemitismus war auch unter den Bessarabiendeutschen verbreitet. Zu den verschiedenen Volksgruppen der Region gingen die Bessarabiendeutschen immer auf Abstand. „Mischehen“ und Beziehungen zwischen Angehörigen anderer Ethnien und Bessarabiendeutschen wurden vehement abgelehnt. Schon im von Albert Mauch 1922 verfassten, und heute noch gesungenen, „Lied der Bessarabiendeutschen“ lautet eine Strophe „Erhalte du (gemeint ist Gott, Anm. d.V.) uns deutsch und rein“.3

In den geschichtlichen Darstellungen von bessarabiendeutscher Seite werden die Bessarabiendeutschen zudem wie selbstverständlich als ein monolithischer Block, quasi als Volksgemeinschaft, dargestellt. „Fromm, tüchtig und gottesfürchtig“ ist das Bild, das sie gerne von sich zeichnen. Oppositionelle Positionen und Menschen hat es nach ihren Darstellungen (vor allem in den sog. Heimatbüchern bessarabiendeutscher Gemeinden) nicht gegeben. Sie werden noch heute totgeschwiegen. Doch auch in bessarabiendeutschen Gemeinden und Familien gab es revolutionäre Sozialisten, deren Geschichte noch zu erforschen ist.4 Zu Antisemitismus und Christentum gesellt(e) sich weiterhin die Ablehnung egalitärer sozialistischer und anarchistischer Ideen. Bessarabiendeutsche Gemeinden halfen 1917 rumänischen Regierungstruppen bei der Bekämpfung sozialrevolutionärer Bewegungen sowie der anarchistischen Machnowschtschina.5 An einer Stelle in Fieß Buch, in der er die Verbundenheit der Bessarabiendeutschen mit Nazi-Deutschland aufgrund der Furcht vor der stalinistischen Sowjetunion erklären will, zeigt sich das (Land)-Arbeiterfeindliche, herrschaftliche wahre Gesicht reicher Bessarabiendeutscher Gutsbesitzer. Der Zeitzeuge Helmut Winger erklärt: „Das schlimmste kam erst für unsere Bauern. Sie mussten dreschen. Die Knechte waren derart von dem neuen Geiste (der Sowjetisierung Bessarabiens, Anm. d. V.) angefeuert, das sie nicht mehr arbeiten wollten. Ja, man nahm den Reichen ihr Getreide aus dem Sack und verteilte es unter den Armen bzw. liederlichen Leuten. Nun konnte man erst recht keine Arbeiter erhalten und die, die noch arbeiteten, erhielten einen riesenhaften Lohn.“ (S. 64) Dementsprechend wollten, so Fieß, „besonders die Intellektuellen und Wohlhabenden so schnell wie möglich ins Reich“ (S. 59)

Die Umsiedlung in den Warthegau (Polen)

Mit dem Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 teilten die beiden totalitären Großmächte das Staatsgebiet Polens unter sich auf. In einem geheimen Zusatzprotokoll des „Nichtangriffspaktes“ wurde gleichzeitig das Schicksal Bessarabiens beschlossen: „Hinsichtlich des Südostens Europas wird von sowjetischer Seite das Interesse an Bessarabien betont. Von deutscher Seite wird das völlige politische Desinteressment an diesen Gebieten erklärt.“ Spätestens seit 1937 bereiteten sich die Nazis unter Federführung der SS und Heinrich Himmler konkret auf die Umsiedlung der Bessarabiendeutschen vor. Für Himmler waren die Bessarabiendeutschen so „rassisch wertvoll“, dass aus ihnen und anderen „arischen“ Volksgruppen ein neuer germanischer Stamm gezüchtet werden sollte. Auf einer SS-Gruppenführertagung im Februar 1937 erklärte er im Hinblick auf die bevorstehende Vernichtung und Vertreibung der slawischen und jüdischen Bevölkerung in Polen: „… Wenn wir eine Provinz übernehmen müssen, die nicht germanischen Blutes ist, sondern ausgekehrt wird bis zur letzten Großmutter und bis zum letzten Kind – und ohne Barmherzigkeit – darüber dürfte hoffentlich kein Zweifel sein, auch darüber nicht, dass wir dann aber die Bevölkerung brauchen, und zwar die rassisch gute Bevölkerung, die wir dort ansiedeln können, damit wir ohne weiteres daran gehen können, um das heutige Deutschland herum hundert Millionen germanische Bauern wieder anzusiedeln und zu züchten und dann den Weg zu einer von uns schon einmal innegehaltenen Weltherrschaft wieder zu beschreiten und die Erde wirklich nach arischen Grundgedanken schöner zu gestalten, als sie jetzt ist.“ (S. 37) Der Angriff auf Polen am 1. September 1939 – Auftakt zum Zweiten Weltkrieg – und die folgende Massenvernichtung der dortigen Bevölkerung durch Wehrmacht und SS-Verbände, sollte diesem Ziel dienen. Das Deutsche Reich bildete auf polnischem Territorium die Reichsgaue „Wartheland“, „Danzig-Westpreußen“ und benannte das restliche unter deutscher Herrschaft stehende Gebiet als „Generalgouvernement“. Dort errichteten sie 1942 die Vernichtungslager Belzec, Sobibor, Treblinka und Majdanek. Ost-Polen wurde von der Sowjetunion besetzt. Geplant und durchgeführt wurde die Ansiedlung der Bessarbiendeutschen in den Gau Wartheland. Auch hier wurden ab 1941 Menschen massenweise von den Nazis im Vernichtungslager Chelmno ermordet. Fieß referiert über die Vorbereitungen der Umsiedlung in Bessarabien. Dabei unterstreicht er immer wieder die starke rassistische Motivation der Nazis an den Bessarabiendeutschen. Denn nicht die tatsächliche Furcht der Bessarabiendeutschen, unter sowjetische Herrschaft zu gelangen, war der Grund für diese, sondern „Hitler war allein an den Menschen interessiert. Nicht etwa, um sie vor den Sowjets zu schützen, sondern um die Idee des Großdeutschen Reichs weiterzuverfolgen. Dafür brauchte er ‘rassisch wertvolle’ Siedler, Arbeitskräfte und jede Menge Soldaten.“ (S. 45) Diesem Zweck dienten „rassekundliche Forschungen“, die bereits 1938 unter Leitung des NS-Arztes und Euthanasie-Mörders Aquilin Ulrich in der Gemeinde Teplitz durchgeführt wurden.6 In einer Reichstagsrede vom 6. Oktober 1939 kündigte Hitler die bevorstehende Umsiedlung, der von ihm als „Splittergruppen“ bezeichneten „Volksdeutschen“ an.

Am 26. Juni 1940 stellte die Sowjetunion dem vom König diktatorisch geführten Rumänien ein Ultimatum zur Räumung Bessarabiens und der Nord-Bukowina. Die rumänische Regierung kam dieser Forderung nach, zumal auf rumänische Nachfrage bei der verbündeten deutschen Regierung, diese Rumänien aufforderte, den sowjetischen Forderungen nachzukommen. Am 28. Juni 1940 besetzte die Rote Armee Bessarabien. Die rumänische Armee verließ „fluchtartig das Land“ und Gauleiter Otto Broneske, sein Stellvertreter Johannes Wagner und der aus Sarata stammende Kreisobmann Immanuel Heer „fuhren nach Akkerman, um ihre Loyalität mit den sowjetischen Besetzern […] zum Ausdruck zu bringen.“ (S. 48) Ende Juli 1940 begannen in Moskau Verhandlungen zur Umsiedlung der Bessarabiendeutschen, die am 5. September 1940 in einen Umsiedlungsvertrag mündeten, der u.a. eine Begrenzung der Umsiedlungskommission aus dem Deutschen Reich auf maximal 599 Mann beinhaltete und „Edelmetalle, Kunstgegenstände, Akten und Kirchenbücher“ von der Ausfuhr ausschloss.7 Bessarabiendeutsche Nazis, der Gauleiter Dr. Broneske und sein Stabschef Viktor Mauch erarbeiteten daraufhin aus eigenem Antrieb im August 1940 einen detaillierten Plan für die Organisation der Umsiedlung. Dieser wurde vom NSDAP Gau Bessarabien unter dem Titel „Organisation für die Umsiedlung. Aufbau und Aufgaben.“ veröffentlicht und ist dem Buch im dokumentarischen Anhang vollständig beigegeben. Das Dokument belegt die akribische organisatorische Vorarbeit der bessarabischen Nazis. U.a. wird sich darin auf die Erfahrung mit der Ansiedlung der Baltendeutschen im Deutschen Reich bezogen und hervorgehoben, dass die Organisation „hier an Ort und Stelle alle Daten beschaffen kann“, im Gegensatz zu der mühevolleren nachträglichen bei den Balten. Weiterhin ginge es um die „Sicherstellung des dokumentarischen Materials für die Erbringung der deutsch-arischen Abstammung der Volksgenossen“. (S. 191) Für die Kosten der Umsiedlung hatte der NSDAP Gau Bessarabien zudem Sammlungen für das Deutsche Rote Kreuz durchgeführt, bei welcher 2 Millionen Lei zusammengekommen seien. Das Geld sei an die Ortsgruppe der NSDAP in Galați weitergeleitet worden, da dort die Verschiffung der Bessarabiendeutschen auf der Donau gen Deutschem Reich begann. (S. 192) Heinz Fieß beschreibt die Umsiedlung detailliert und zitiert dabei aus Erlebnisberichten. Dadurch tritt u.a. zu Tage, dass das Verbot der Sowjets, Kirchenbücher auszuführen, die in Bessarabien quasi den Inhalt standesamtlicher Eintragungen beinhalteten, durch die Abschrift derselben umgangen wurde.

Am 15. September 1940 begann die Umsiedlung. Verantwortlicher von reichsdeutscher Seite war SS-Obergruppenführer Werner Lorenz, der als Leiter der „Volksdeutschen Mittelstelle“ fungierte und Heinrich Himmler direkt unterstellt war. Die Umsiedlung musste bis zum 15. November 1940 abgeschlossen sein. Den Hauptsitz nahm die Umsiedlungskommission in der Stadt Tarutino. Hauptbevollmächtiger dort war der SS-Standartenführer Horst Hoffmeyer, zugleich Angehöriger des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD), welcher als Geheimdienst der SS und faschistische Mörderbande gegen politische Gegner und von den Nazis bekämpfte Völker agierte. Der Nazi lobte die Bessarabiendeutschen: „In jedem Ortsbereich stand die erforderliche Zahl volksdeutscher Mitarbeiter zur Verfügung, die dem Kommando dadurch die wesentlich schnellere Durchführung der Aufgaben ermöglichen konnte. Auch die von der Volksgruppe zur Verfügung gestellten Unterlagen erwiesen sich in der Praxis als außerordentlich wertvoll.“ (S. 57) Bessarabien wurde von der Volksdeutschen Mittelstelle in vier Gebiete eingeteilt, denen jeweils ein Gebietsbevollmächtigter zugeordnet wurde. Um welche, vermutlich bessarabische Nazis, es sich dabei handelte, teilt Fieß nicht mit. Um zur Umsiedlung zugelassen zu werden, mussten die Ausreisewilligen ihre „rein deutsche, arische Abstammung bis zum Ur-Großvater“ nachweisen. „Die Ahnentafel wurde zum entscheidenden Dokument für die Gewährung der Umsiedlung“, so Fieß. (S. 61) Was allerdings mit den Bessarabiendeutschen geschah, die Ausreisewillig waren, aber keine „Ahnentafel“ erbringen konnten oder nicht „rein arischer Abstammung“, darüber schweigt der Autor und stellt noch nicht einmal diese Frage.

Wie die Umsiedlung konkret von statten ging, zeigt der Autor anschaulich am Beispiel der Gemeinde Sarata. (S. 67ff.) Fieß berichtet dabei auch über die von der SS zusammengestellten Sondertransporte mit „Geisteskranken“, Behinderten und Alten. Zahlen und Fakten der wissenschaftlichen Untersuchung „Auslese für die Siedlergesellschaft“ von Maria Fiebrandt informieren über diese „Sonderkrankentransporte“ mit mehreren hundert Erkrankten und Alten.8 Fiebrandts Untersuchung zeigt auf, dass viele von diesen Menschen schließlich psychiatrisiert wurden und/oder der Euthanasie zum Opfer fielen. Über die Abreise aus den einzelnen Gemeinden gibt der Autor einen kurzen Überblick. In diesem werden auch die Schikanen durch sowjetische Zollbeamte und die von den Bessarabiendeutschen noch heute gerne wiedergegebenen Strapazen der Reise beschrieben. Mit Pferdewagen und in langen Kolonnen wurden die mehr als 90.000 Umsiedler von der SS beschützt nach Galați gebracht, wo sie auf Schiffe verladen und zu den Durchgangslagern im Deutschen Reich gebracht wurden.9

Rekrutierungen zur Waffen-SS

Schon in Bessarabien hatte die SS junge bessarabiendeutsche Männer angeworben, wozu eigens der „Deutsche Volksgruppenführer“ aus Rumänien, Andreas Schmidt, angereist war. Bei den „gründlichen“ Musterungen wurden 600 Männer als für die SS tauglich eingestuft, davon 392 als für die Eliteeinheit „Leibstandarte Adolf Hitler“ verwendbar. Fieß berichtet in einem eigenen kleinen Kapitel darüber und gibt Zitate aus Erzählungen dieser Männer wieder. Darunter ein solches des Vaters von Klaus Stickel, der sagte: „Was waren wir froh, endlich Mitglieder der Waffen-SS zu sein, was waren wir ehrgeizig und motiviert. ‘Wir werden aus euch die besten Soldaten der Welt machen, wir sind die Elite’ hämmerte man uns ein. Wir Bessaraber waren ehrgeizig, alle gemeinsam in einer Kompanie wollten wir den reichsdeutschen Kameraden zeigen, die uns gerne als ‘Beutegermanen’ bezeichneten, dass wir Volksdeutschen genauso gut wenn nicht besser sind als sie.“ Fieß fährt fort: „Im Laufe der äußerst harten Ausbildung seien sie die beste Kompanie des Bataillons geworden und es wurde ihnen erlaubt, anstelle des ‘Westerwald’ das bessarabische Heimatlied zu singen. – Welcher Stolz klingt da heraus!“ (S. 83) Bei diesen Berichten findet sich nicht ein Wort der Reue über ihre Mord- und Gräueltaten wieder. Sie waren Überzeugungstäter. Fieß benennt dies nicht. Er spricht nicht aus, dass sie ein bewusster und aktiver Teil der faschistischen Mordmaschine waren. Stattdessen bemerkt er, dass die „jungen Männer in ihrer Männlichkeit herausgefordert wurden“ und „so manche betrachteten es als besonderen Verdienst, dieser elitären Gruppe angehören zu dürfen.“ Damit verharmlost er die Täter, spricht ihnen die politische Überzeugung ab. Im Durchgangslager von Galați und wenig später im „Warthegau“ wurden diese Rekrutierungen ebenso durchgeführt.

Ansiedlung in Polen

Nach der Umsiedlung wurden die Bessarabiendeutschen zuerst auf ca. 800 Umsiedlungslager der Volksdeutschen Mittelstelle im Deutschen Reich aufgeteilt. Über die dortigen Bedingungen und die zahlreichen medizinischen Untersuchungen berichtet der Autor ausführlich und zitiert dabei aus Erlebnisberichten. 1941, mitten im Krieg, begann dann die Ansiedlung der Bessarabiendeutschen in Polen unter verantwortlicher Leitung des Nazi-Mörders, SS-Standartenführers und Chef des Sicherheitsdienstes, Reinhard Heydrich. In Lodz wurde eine „Einwandererzentralstelle“ geschaffen. Auch hier und in den sog. „Kommissionen“ folgte eine abermalige rassistische und völkische Auswahl und Überprüfung. Teil davon war die „Rassemusterungsstelle“ des Rasse- und Siedlungshauptamtes, welches jedem Kolonisten eine „Rassenote“ innerhalb einer vierstelligen Skala zuwies. Zudem wurde jeder Umsiedler mit seiner Blutgruppe unter dem Arm tätowiert. Daraufhin folgte eine politische Bewertung durch einen sog. „Volkstumssachverständigen“ in der „Staatsangehörigkeitsstelle“. Dazu wurde ein sog. „Berater in Volkstumsfragen“ hinzugezogen, der aus dem jeweiligen Umsiedlerlager stammte. Eine Art Blockwart also, dessen Einbeziehung „natürlich der Denunziation und der Austragung persönlicher Fehden Tür und Tor öffnete“, wie Fieß Maria Fiebrandt zitiert. (S. 109, Fußnote) Nach dem Abschluss dieser Station entschied dann die „Berufseinsatzstelle“ über den Ort und die Region der Ansiedlung. Dazu gab es drei Kategorien: A, die Ansiedlung im Altreich, O, die Ansiedlung im Osten und als dritte Kategorie S, welche die Abschiebung in das Generalgouvernement oder die Herkunftsgebiete bedeutete. Die Wertung S, so Fieß, betraf die als „rassisch nicht erwünscht“ oder als „Fremdvölkisch“ bezeichneten.

Die politische Wertung bei den Staatsangehörigkeitsstellen bestand aus fünf Einteilungen:

1. Aktiver Kämpfer für das Deutschtum

2. Mitläufer für das Deutschtum

3. Indifferent, der sich für nichts entscheidet

4. Mitläufer in einer fremden Gruppe

5. Aktiver Kämpfer in einer fremden Gruppe

Die rassistische Wertung überragte aber die politische, wie Fieß deutlich macht, der aus einer Ausführung des SS-Oberführers Kaaserer bei einer Tagung der „Rasse- und Siedlungs-Dienststellen“ vom Januar 1941 zitiert und schlussfolgert: „Der eindeutige Schwerpunkt lag auf der rassischen Bewertung. Wer rassisch mit der Stufe IV bewertet wurde, hatte trotz politisch höchster Linientreue keine Chance, als O-Fall im Osten angesiedelt zu werden. Das führte zu massiven Protesten.“ (S. 112) Fieß informiert in diesem Zusammenhang über ein Untersuchungsergebnis der Rumänien-Expertin Mariana Hausleitner, die in ihrer Studie „Deutsche und Juden“ (2005) darauf hinweist, dass die durchaus zahlreichen bessarabiendeutschen Anhänger der national-christlichen rumänischen Faschisten um Cuza und Goga als „Mitläufer in einer fremden Gruppe“ ausgesondert wurden. Ihr Verbleib sei unbekannt. Fieß vermutet hinter dieser „Aussonderung“ Denunziationen Seitens der „Berater in Volkstumsfragen“ bei den Untersuchungen der „Rassemusterungsstelle“. (S. 113, Fußnote).

Zeitgleich mit der Zuweisung von Bauernhöfen und Land zuvor vertriebener Polen erklärten bessarabiendeutsche Nazi-Funktionäre wie J. Becker, dass es ihre Aufgabe sei, „Polen ein deutsches Gepräge“ zu geben und einen „Volkstumskampf“ zu führen. (S. 116) Der bessarabiendeutsche Volksgruppenführer Richard Baumgärtner erklärte im März 1941: „Wir Bessarabiendeutschen haben es uns in den Kopf gesetzt, alles zu tun, dass eines Tages der Warthegau mit seinem Einsatz für Volk und Führer an erster Stelle steht.“ Im Abschlussbericht der Einwandererzentralstelle vom 31. Dezember 1940 führt diese aus, dass von den 17.600 Besitzern landwirtschaftlicher Betriebe in Bessarabien 15.700 für die Ansiedlung im Osten („Warthegau“) bestimmt wurden. 1.900 ehemals selbständige Landwirte sollten sich im Altreich als Arbeiter verdingen. (S. 156)

Dem aufmerksamen Leser entgeht nicht, dass sich der Autor immer wieder in einem Zwiespalt befindet. Er spielt die Rolle der Bessarabiendeutschen im Gesamtgefüge des Nationalsozialismus herunter, macht sie oftmals zu bloßen Befehlsempfängern und zu von der „Geschichte getriebenen“, denen „keine andere Wahl“ geblieben sei. Auf der anderen Seite stellt er fest, „dass eine Ansiedlung im von Deutschland brutal überfallenen Polen nicht problemlos stattfinden“ konnte. (S. 120) Er stellt den Lesern den polnischen Widerstandskämpfer Jan Karski vor, geht auf die Geschichte Polens und seine oft versuchte vollständige Auslöschung in den verschiedenen Kriegen ein. Er zitiert Karski: „Andere Staaten wurden nach einer militärischen Niederlage besetzt, man erlegte ihnen Reparationszahlungen auf oder begrenzte die Stärke ihrer Armee, manchmal wurden sogar ihre Grenzen verändert. Wenn der polnische Soldat auf dem Schlachtfeld besiegt wurde, senkte sich das Gespenst der Vernichtung über die ganze Nation: Die Nachbarn plünderten und teilten das polnische Territorium und versuchten, die polnische Sprache und Kultur zu zerstören. Deshalb war für uns der Krieg immer ein totaler Krieg.“ Versucht Fieß mit diesem Zitat, das Handeln von Partisanen seinen bessarabiendeutschen Landsleuten verständlich zu machen? Zudem weist er auf die bei Neonazis und oft auch bei den Vertriebenenverbänden übertrieben angegebenen Opferzahlen des „Bromberger Blutsonntags“ und dessen Hergang und Vorgeschichte hin, inklusive der Rolle der Nazis innerhalb der deutschen Minderheitsbevölkerung Polens (beispielhaft sei hier der mordende „Volksdeutsche Selbstschutz“ genannt).10

Die Deportationen in Polen gingen in großem Maßstab vor sich und wurden durch Wehrmacht, SS und Sicherheitsdienst betrieben. Seit dem 17. Dezember 1939 galt der westliche, ehemals preußische Teil des „Warthegaus“ als „Judenfrei“. Historiker gehen von 268.831 bis zu 650.000 deportierten Menschen aus, deren Vernichtung (als „Untermenschen“) die Nazis planten und größtenteils in die Tat umsetzten. Dass die Deportationen nicht unbemerkt blieben, zeigen die im Buch veröffentlichten Zeitzeugenberichte bessarabiendeutscher Ansiedler, die von Transporten „zerlumpter und abgemagerter Zwangsarbeiter“ berichten. Nur unter vorgehaltener Hand sei darüber innerhalb der bessarabiendeutschen Familien gesprochen worden. Berichte über etwaige Hilfe, z.B. dem Zustecken von Essen für die Geschundenen und Vertriebenen finden sich nicht. Verschwiegen werden die Namen der „Vertrauensleute“ der bessarabiendeutschen Umsiedler, die zusammen mit den SS-Bodenämtern über die Zuweisung der Höfe in Polen entschieden. Wie diese „Vertrauensleute“ heute über das von ihnen mitvollzogene Unrecht denken – darüber findet sich ebenfalls keine Spur im Buch. Nicht zu Ende gedacht – und in der möglichen tödlichen Konsequenz offen gelassen – informiert Fieß darüber, dass einige der von ihren Höfen vertriebenen Polen schließlich bei den neuen bessarabiendeutschen Besitzern als Knechte und Mägde arbeiteten. „Haderten sie mit ihrer neuen Situation und ließ es ihre Selbstachtung nicht zu, sich einfach brav unterzuordnen“, so Fieß, „so galten sie u.U. schnell als unwillig, widerspenstig und ‘faul’.“ (S. 150). Unter welchen Umständen? Z.B. dann, wenn ein bessarabiendeutscher „Herrenmensch“ seine Unzufriedenheit mit dem ihm untergebenen „Untermenschen“ ausleben wollte? Und welche Konsequenz hatte solch eine Klassifizierung? „Arbeitsscheue“ und Slawen wurden von den Nazis schließlich in den KZ’s umgebracht. Folgte ihre Abholung durch die SS oder die „Deutsche Volksliste“? Fieß schweigt dazu. Er berichtet aber darüber, dass einige der bessarabiendeutschen Ansiedler mit den ihnen zugeteilten Höfen unzufrieden waren, und sie als „verlottert und verdreckt“ bezeichneten. (S. 160). Abgebildet im Buch findet sich ein Kaufvertrag über ein von Polen oder Juden enteignetes Anwesen, das sich ein bessarabiendeutsches Mitglied der SS-Leibstandarte Adolf Hitler 1943 unter den Nagel riss. Der Name des SS-Angehörigen wurde von Fieß im Dokument geschwärzt. Warum? Schadet zuviel Aufklärung? Will sich der Käufer seiner Verantwortung entziehen?

Humanismus für heute, Beschönigung für damals

Beispiele offizieller deutsch-polnischer Erinnerungsveranstaltungen und gemeinsamen Gedenkens auf nationalstaatlicher Ebene beenden das Buch. In seiner Schlussbetrachtung spannt der Autor den Bogen von damals zu heute, thematisiert die Fluchtbewegungen und spricht sich aus einer humanistischen Perspektive für die Unterstützung Geflüchteter aus. Leider bleibt er auch dort, wie schon im gesamten Buch, dem bürgerlichen verklärenden Sprachstil verhaftet. Anstatt rassistische, faschistische, rechts-populistische und neonazistische Gruppen als solche zu benennen, spricht er von „extremistischen Gruppen“. Das begrenzte bürgerliche Denken zeigt sich auch in der Feststellung, dass die Vertreibungen und Enteignungen der polnischen und jüdischen Besitzer im von den Nazis besetzten Polen sowohl gegen das Strafgesetzbuch als auch das Bürgerliche Gesetzbuch verstießen. Denn das ist nicht der springende Punkt. Hinter dem Pochen auf Gesetze steckt das bürgerliche Prinzip der Delegation von Verantwortung. Deswegen appellieren Bürgerliche an den Staat, die Polizei oder verlangen neue oder geänderte Gesetze. Sie geben Macht an einen vermeintlich legitimierten hierarchischen Gewaltapparat ab. Doch gegen den Faschismus und Rassismus muss man von unten selbst aktiv werden. Man darf sich nicht hinter Gesetzen verstecken.

Einen Satz von Heinz Fieß aus der Schlussbetrachtung möchte ich hervorheben. Ohne sie beim Namen zu nennen, spricht er von den Bessarabiendeutschen als „unkritisch bereiten, ideologiegläubigen Pflichterfüllern.“ (S. 182) Das ist zweifellos richtig, jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Denn es reduziert sie einmal mehr auf dumme, mitlaufende Schäfchen und verschweigt die Tatsache, dass sie auch aktive und inhaltlich voll überzeugte Täter waren; dass sie den Nationalsozialismus mitgestalteten. Was Fieß nicht deutlich ausspricht ist, dass es etliche aktiv handelnde bessarabiendeutsche Nazis gab, die schon seit den 1920er Jahren in Nazi-Kreisen aktiv verkehrten und zu diesen im Deutschen Reich Beziehungen unterhielten. Zu Beginn der 1930er Jahre gab es in nahezu jeder bessarabiendeutschen Gemeinde Gruppen der „Nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung“. Sie fühlten sich „rassisch überlegen“ und vertraten aktiv einen reaktionären Anti-Kommunismus (nicht zu verwechseln mit einem libertären Anti-Parteikommunismus). Der Antisemitismus war bereits verwurzelt und wurde auch durch den evangelisch-christlichen Glauben befördert, wie dies insbesondere bei den bessarabiendeutschen Anhängern der rumänischen Faschisten der National-Christlichen Partei, den Cuzisten, der Fall war. Die wichtigsten und einflussreichsten Funktionäre der Bessarabiendeutschen, darunter zahlreiche Pfarrer, waren überzeugte Anhänger einer elitären, patriarchalen Klassen(„Stände“)gesellschaft. Viele hunderte Bessaraber meldeten sich freiwillig zur SS. Ihre Zukunftsvorstellungen hatten nichts mit Freiheit und gleichberechtigter menschlicher Gemeinschaft zu tun. So bleibt das Buch trotz vieler detaillierter Informationen zur Umsiedlung und einem glaubwürdigen Eintreten für Völkerverständigung und Humanismus leider eine beschönigende Darstellung der Bessarabiendeutschen, ihres Handelns und ihrer Rolle im Faschismus.

Dem Buch sind zahlreiche Fotos beigegeben, die vor allem die Umsiedlung veranschaulichen. Im Dokumentenanhang finden sich der Text des Hitler-Stalin-Paktes mit dem Geheimen Zusatzprotokoll, die Ausarbeitung zur Umsiedlung des NSDAP Gaus Bessarabien, ein Auszug aus der Rede Hitlers vor dem Reichstag am 6. Oktober 1939, eine Übersichtskarte Bessarabiens mit darauf eingetragenen deutschen Siedlungen vom Stand 1940 sowie eine vom Autoren erstellte Liste der „Zuordnung der Heimatorte in Bessarabien zu den Umsiedlungslagern der Volksdeutschen Mittelstelle.“ Dem Buch sind weiter eine informative Zeittafel und ein Abkürzungsverzeichnis beigegeben.

Martin Veith

Eine kurze Nachbemerkung: Im Mai 2016 veröffentlichte Horst Eckert, Mitglied der „Historischen Kommission“ des Bessarabiendeutschen Vereins e.V., eine „historisch-biographische Studie“ zu Otto Broneske, dem Gauleiter der NSDAP in Bessarabien und langjährigem Bundesvorsitzenden der Bessarabiendeutschen Landsmannschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Sein Buch trägt den Titel „Für Volkstum und Glaube“.

Heinz Fieß: Die „Rückführung“ der Volksdeutschen am Beispiel der Bessarabiendeutschen. Umsiedlung 1940, Aufenthalt in den Lagern und Ansiedlung in Polen. Göppingen, Selbstverlag, 2015, 232 Seiten, ISBN: 978-3-00-050915-5, 21,90€.

1Siehe dazu die Seiten 18-19, in welchen er besonders das aktive Eintreten der Jugend für den Nationalsozialismus beschönigt. Auf S. 29 werden die bessarabiendeutschen Nazis als „Unwissend“ hingestellt: „Leider begriffen die meisten nicht, welcher ideologische Wahnsinn hinter […] euphorischen „Herrenrasse“-Vorstellungen steckte“. Eine Schutzbehauptung, da Fieß zuvor einen Teil der Verbindungen zwischen den Bessarabiendeutschen, vor allem Studenten, Lehrern und Professoren, zu NS-Stellen und Universitäten im Deutschen Reich, aber auch zu den Nazis in Rumänien (um Fritz Fabrizius in Siebenbürgen) darstellt. An anderer Stelle werden zur Entschuldigung herangezogene Aussagen von Zeitzeugen in vom Verfasser vorgenommenen Fettdruck wiedergegeben: „Wir fragten nicht nach den Zielen und Absichten des damaligen Regimes, waren bereit, für dieses Traumland die größten Opfer zu bringen“, S. 34/35.

2Zwischen beiden Bewegungen kam es zu gewalttätigen Aktionen und mindestens einem Mord. Siehe dazu den Historiker Fred Kautz: Was geschah in der Nacht von 30. April zum 1. Mai 1936 in Hoffnungstal? Anmerkungen zu der Berichterstattung über ein Verbrechen und die offiziöse bessarabische Meinung dazu. Unveröffentlichtes Manuskript.

3Albert Mauch ist Verwandt mit dem führenden Nazi Viktor Mauch, dem Geschäftsführer des nationalsozialistischen „Deutschen Volksrates“ in Bessarabien. 1939 traf dieser in Berlin mit führenden Nazis zusammen und machte dort den Vorschlag, im Falle eines sowjetischen Einmarsches in Bessarabien, die deutsche Bevölkerung umzusiedeln.

4Siehe dazu den Hinweis des Historikers Fred Kautz auf einen bessarabiendeutschen Revolutionär des Aufstandes von Tatar-Bunar 1924. In Fred Kautz: Eine merkwürdige Unsicherheit. Bessarabiendeutsches Geschichtsmanagment. Unveröffentlichtes Manuskript.

5Siehe dazu den großspurigen Bericht des nationalistischen bessarabiendeutschen Großgrundbesitzers Johann Lauer: Wir deutsche Kolonisten gegen den Kommunismus. Auszugsweise wieder veröffentlicht in Valentin Tschepego (Hrsg.) Machno – Zeugnisse einer Bewegung. Band 1. Von Freund und Feind. Lich, 2013.

6Seine Arbeit wurde 1939 als „Reichssiegerarbeit“ prämiert und Ulrich Hitler persönlich vorgestellt. Während der Umsiedlung fungierte er als Stationsarzt im Lager Semlin/Belgrad.

7Den Inhalt des vollständigen Umsiedlungsvertrages referiert Fieß auf den Seiten 49/50.

8Maria Fiebrandt: Auslese für die Siedlergesellschaft. Die Einbeziehung Volksdeutscher in die NS-Erbgesundheitspolitik im Kontext der Umsiedlungen 1939–1945, Göttingen 2014.

9Nach Paul Milata siedelten 93.548 Bessarabiendeutsche und 43.569 Deutsche aus der Nord-Bukowina um. 1941 lebten in Bessarabien noch 2.058 Deutsche und in der Bukowina 7.295. Fieß zitiert aus seinem Buch: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu: Rumäniendeutsche in der Waffen-SS, Band 34 von Studia Transylvanica, Köln Weimar, 2007.

10Als „Bromberger Blutsonntag“ wird ein Massaker an mehreren hundert Polen und Deutschen zwischen dem 3. und 4. September 1939 im polnischen Bromberg benannt. Zu den meisten Opfern zählen sog. „Volksdeutsche“. Die Nazis schlachteten das Ereignis propagandistisch aus. Bis heute ist die genaue Anzahl der Toten und der genaue Tathergang nicht geklärt.

Dieser Artikel ist erschienen in BUNĂ #4

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