Category: Allgemein

Neues anarchistisches Magazin aus Bukarest

Im Juli 2015 erschien in Bukarest die erste Ausgabe des „anarchistischen Magazins aus Bukarest, Radix“ mit einer Auflage von 500 Exemplaren. Das 40-seitige Heft wurde von der Redaktion und den MitarbeiterInnen am 17. Juli im Bukarester „Centrul Claca“ öffentlich vorgestellt. Obwohl sich die Redaktion in der rumänischen Hauptstadt befindet wird die Zeitschrift landesweit verbreitet. Verteilstellen finden sich so in Iași und Cluj. Zur Intention schreiben die RedakteurInnen: „Wir sehen es als notwendig an, eine anarchistische Zeitschrift herauszugeben, die sich der Gegeninformation zum Propaganda-Krieg und der Desinformation durch Staat und Massenmedien annimmt. Wir wollen über unsere Kämpfe und über jene, in denen unsere GenossInnen beteiligt sind, berichten und diskutieren (…) Wir wollen unsere Ideen und Ideale propagieren und über die Geschichte und Theorie des Anarchismus sprechen“. Die Redaktion stellt erfreulicherweise ein „neues Anwachsen der anarchistischen Bewegung in Rumänien“ fest und möchte zu deren „Ausdehnung und Entwicklung“ beitragen.

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Es braucht starke Argumente und Geduld – Interview mit einem rumänischen Atheisten

„Menschen zu überzeugen erfordert harte Arbeit, starke Argumente und eine Menge Geduld“

Auf dem sozialen Netzwerk Facebook informiert seit 2014 die Seite „Ducatul Ateist de Alba“ über Religion, Kirche und Gesellschaft in Rumänien. Atheistische Überzeugungen werden mit „Humor, Sarkasmus, Blasphemie und allen anderen Zutaten, die der Religion Schaden zufügen“ den über 42.000 „followern“ nahegebracht. Mit dieser großen Anzahl erreichter Menschen nimmt das „Atheistische Herzogtum von Alba“ – eine Anspielung auf das orthodoxe Erzbistum in der Stadt Alba Iulia, in dem sowohl eine staatlich finanzierte orthodoxe Hochschule mit Priesterausbildung, als auch eine Kathedrale von landesweiter Bedeutung ihren Sitz haben – eine herausragende Position ein. Aufmerksame LeserInnen der BUNĂ wissen von dem verhängnisvollen Einfluss der orthodoxen Kirche und weiterer reaktionär religiöser Gruppen auf die rumänische Gesellschaft.

Wir sprachen mit einem der ehrenamtlich tätigen Aktivisten des atheistischen Herzogtums im Dezember 2015.

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“Wir halten es für notwendig am Aufbau eines landesweiten Netzwerks radikal-libertärer Initiativen mitzuwirken”

Ein Interview mit AnarchistInnen aus Craiova

BUNĂ: Könnt ihr etwas zu eurer Stadt sagen? Wie sind die Lebensbedingungen? Ist es eine von der Industrie geprägte Stadt oder eher landwirtschaftlich? Wie hoch ist die Erwerbslosigkeit?

DIY Craiova: Wir leben in Craiova, das im Südwesten von Rumänien, nahe an der Grenze zu Bulgarien sowie Serbien liegt. Es ist die sechstgrößte Stadt Rumäniens. Im vormaligen Regime war sie hochindustrialisiert. Craiova ist die ärmste Großstadt im Land und liegt in einem Gebiet, in dem Landwirtschaft betrieben wird und welches ebenfalls eine der ärmsten Regionen des Landes ist. Gleichzeitig ist sie ein Hochschulzentrum sowie ein Verwaltungszentrum.

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„… als ob diese Initiativen und Aktionen in Bukarest stattfinden würden“

Nicolas Trifon bei einer Buchvorstellung in Bukarest.

Interview mit Nicolas Trifon

von Mihai Codreanu

Nach der Etablierung kommunistischer Regime stalinistischen Typs in Osteuropa gingen Mitglieder einer der größten anarchistischen Bewegungen, jene aus Bulgarien, ins Exil. Ihre Ideen nahmen sie mit sich und fanden in Frankreich ein Land, das ihnen die Möglichkeit bot, Aufmerksamkeit auf die Situation in den Ländern des “sozialistischen Lagers” zu richten. Die Aktivitäten der bulgarischen Anarchisten beschränkten sich dabei nicht nur auf das Schreiben über ihr Land oder andere osteuropäische Staaten. Einige ihrer Aktivitäten beinhalteten den Guerillakrieg. Nach Spaltungen innerhalb der bulgarischen Anarchisten wurde die Gruppe “Iztok” (zu deutsch “Ost”) gegründet. Dieser schloss sich in den 1980er Jahren ein Emigrant aus Rumänien an – Nicolas Trifon (geboren 1949 in Bukarest) – heute ein französischsprachiger Schriftsteller. Sein aktuelles Interesse gilt der Mazedonischen Minderheit, die auch der Gegenstand seiner letzten Veröffentlichungen ist. In seinen Arbeiten finden sich verschiedene Bezüge wieder: Historische, anthropologische oder sozio-linguistische. In dem folgenden Interview behandeln wir die Situation in den 1980er Jahren bis zum Kollaps des sozialistischen Lagers zum Ende jenes Jahrzehnts und dem Beginn der 1990er Jahre.

Mihai Codreanu: Am 18. April 1978 wurde in Paris eine Pressekonferenz durchgeführt, an welcher Vasile Paraschiv (Rumänien), Viktor Feinberg (Sowjetunion), Aleksander Smolar (Polen) und Jan Letcinski (Tschechoslowakei) teilnahmen. Neben ihnen beteiligten sich Repräsentanten der vier größten französischen Gewerkschaften (F.E.N., F.O., C.F.D.T., C.G.T.) daran. Thema der Konferenz war die Gewerkschaftsfreiheit in Ost-Europa. Sie stellte ein wichtiges Ereignis dar, denn nach 30 Jahren fanden die vier größten französischen Gewerkschaften ein gemeinsames Projekt – den Protest gegen die Situation der Arbeiter im Ostblock. Hat die „Iztok“-Gruppe an diesem Ereignis teilgenommen?

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„Neben den Ideen und Initiativen geht es uns um die Menschen, die mitmachen“

Ein Interview mit R. von A-casă aus Cluj

BUNĂ: Um was handelt es sich bei A-casă. Handelt es sich um ein besetztes Haus? Und wie seid ihr auf die Namensgebung gekommen?

R. von A-casă: A-casă ist kein besetztes Haus, es handelt es sich um ein Mietshaus. Doch auch wenn es kein „Squat“ ist – denn hier im Land existiert keine „Kultur“ oder Praxis „anarchistischer Besetzungen“; Nur die Ärmsten, oftmals Roma, besetzen Häuser oder Wohnung um zu überleben – funktioniert es nahe an dem, was ein soziales Zentrum oder ein besetztes Haus sein sollte. Der Name des Gebäudes bedeutet im rumänischen „Zuhause“ und die Namensgebung war das Ergebnis einer kollektiven Entscheidung, dem Platz einen Namen zu geben. Auch wenn es den romantischen Kreis um seinen Namen hat, ist es kein Name, den wir besonders mögen. Es lag vielmehr daran, dass wir zu Beginn einen vertrauten Namen suchten um Menschen anzusprechen. Natürlich ist ein Name nur ein Name und in gewisser Weise nicht zu wichtig. Das ist auch der hauptsächliche Grund dafür, warum wir nicht wirklich daran gingen, ihn im Laufe der Zeit zu ändern.

BUNĂ: Seit wann gibt es euch?

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Vortrag in Wien: Stefan Gheorghiu und der Anarchismus und Syndikalismus in Rumänien

Militant! Anarchismus und Syndikalismus in Rumänien und die Rolle Ștefan Gheorghius.

Vortrag von Martin Veith

Am Freitag, 2. November 2018 im Anarchistischen Archiv/Anarchistische Bibliothek Wien, Lerchenfelder Straße 124-126, 1080 Wien im Hof 3 Tür 1a. Beginn 20:00 Uhr. Zuvor Vokü. Eintritt frei.

Die Existenz und Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung Rumäniens und ihrer anarchistischen und syndikalistischen Strömung ist heute recht unbekannt. Dabei gehörten Syndikalisten und Anarchisten mit ihren Methoden der direkten Aktion zu den bekanntesten Köpfen im Land. Der revolutionäre Syndikalist und Anarchist Ștefan Gheorghiu (1879-1914) war schon zu Lebzeiten eine Ikone der Arbeiterbewegung Rumäniens. Im Ausland nahezu unbekannt und von den Sozialdemokraten und Parteikommunisten Rumäniens entstellt und vereinnahmt, geht es im Vortrag um ein unverfälschtes Bild des rastlosen Agitators und Arbeiters, den der repressive Staat ermorden wollte. An seinem Leben und Kampf können beispielhaft die Unterschiede zwischen föderalistischer und zentralistischer Organisierung, zwischen politisch-ideologischer Taktiererei sozialdemokratischer und marxistischer Kräfte und revolutionärem Wollen und Kampf aufgezeigt werden – sowohl bei Streiks, bei Solidaritätsaktionen und Kampagnen gegen Kriege und den Nationalismus.

Wer sich für die Geschichte der Arbeiterbewegung Rumäniens, für Anarchismus und Syndikalismus interessiert, sollte diese Veranstaltung nicht versäumen.

Martin Veith ist Arbeiter, Buchautor und forscht zur Geschichte des Anarchismus und Syndikalismus in Rumänien. Er ist aktiv im Institut für Syndikalismusforschung und Redakteur der „BUNĂ“ – Zeitschrift für Befreiung und Emanzipation – nicht nur in Rumänien. 2015 erschien seine Studie „Militant! Stefan Gheorghiu und die revolutionäre Arbeiterbewegung Rumäniens“.

Syfo.info

revistabuna.info


Sommer-Ausgabe 2018 des libertären Rumänien-Magazins BUNĂ erschienen

Liebe Leserinnen und Leser,

als Zeitschrift, die für Befreiung und Emanzipation eintritt, liegt unser Augenmerk nicht nur auf Rumänien. Das spiegelt sich in der vorliegenden Ausgabe wider. Aus Bulgarien wird von den Protesten gegen den alljährlichen Lukov-Marsch der Faschisten und Nationalisten berichtet. Deutlich sichtbar gehörten anarchistische Kräfte aus Bulgarien und den Nachbarländern zu denjenigen, die den Faschisten entgegen traten und für die Selbstbestimmung der Menschen in allen Lebensbereichen demonstrierten. Traurige Nachrichten müssen wir aus Rojava vermelden. Die dort im Aufbau befindliche neue fortschrittliche und basis-demokratisch organisierte Gesellschaft wurde von Anfang an von vielen Feinden bekämpft. Bei der Verteidigung der Stadt Afrin gegen den Vormarsch der Allianz aus Dschihadisten und dem nationalistisch-faschistoiden türkischen Staat fielen einige der Verteidigerinnen und Verteidiger im Kampf. Darunter auch anarchistische Genossen und eine Genossin. Wir erinnern an sie.

Emigrierte Arbeiterinnen und Arbeiter aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union unterliegen in Deutschland diskriminierenden Gesetzen. Befristete Arbeitsverhältnisse, schikanierende Unternehmer und der Staat in Form von Arbeitsagentur und Ausländerbehörde bilden dabei oft eine Menschen- und ArbeiterInnenfeindliche Allianz. Ein Bericht von GenossInnen der basis-demokratischen Gewerkschaft “Industrial Workers of the World” schildert den Fall eines Kollegen aus Bulgarien, dem Abschiebung und Ausweisung drohten.

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