Spontane Streiks und gewerkschaftliche Neu-Organisierung bei Astra Rail

Mai 2021: Selbstorganisierte Streiks der Waggonbauer in Caracal, Turnu Sverin und Arad – Geschäftsführung und Justiz erklären Streiks für illegal

Von Martin Veith

Streikende Arbeiter in Arad.

Ein großartiges Zeichen selbständiger Arbeiterinitiative und Solidarität zeigten Arbeiter des rumänischen Waggonbaukonzerns Astra Rail, die in Caracal, Drobeta Turnu Severin und Arad im Mai 2021 in den Streik traten. Die Gründe dafür finden sich in der schlechten Bezahlung, schlechter Arbeitsschutz- und Sanitärbedingungen sowie der gewachsenen Unzufriedenheit mit den unternehmenshörigen Vertretern der traditionellen Betriebsgewerkschaften. Diese Unzufriedenheit mit vorgeblichen Gewerkschaftern, die de facto Karrieristen sind und auf Seiten der Geschäftsführung stehen, führte bereits 2019 zur Gründung der neuen Betriebsgewerkschaft Sindicat Unitas im größten Werk bei Astra Vagoane in Arad. Hier arbeiten mehr als 1.200 Kollegen. Generell sind die Arbeiten bei Astra Rail körperlich anstrengend und gesundheitlich belastend. Berufsgruppen beim Waggonbau sind z.B. Schweißer, Galvaniseure, Schlosser, Dreher, Lackierer, Elektriker, Verzinker. Die Werkhallen sind vom Ruß schmutzig und die Gase und Dämpfe von den Lackier-, Schweiß- und Galvanisierungsarbeiten müssen von den Arbeitern eingeatmet werden.

Lokale und landesweite Medien kamen vor Ort und berichteten über den Streik. Insbesondere die lokale Berichterstattung ging auf Hintergründe ein und ließ die streikenden Arbeiter zu Wort kommen. Diese erklärten, dass seit vielen Jahren nicht in die betriebliche Infrastruktur investiert werde, dass Maschinen und Werkzeuge veraltet, kaputt und reparaturbedürftig seien und an vielen Arbeitsplätzen Lebensgefahr bestehe. Um Schutzausrüstungen müsse man betteln und die sanitären Anlagen seien menschenunwürdig.

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Gegen den Krieg in der Ukraine heißt: Für die Niederlage Russlands! Krieg dem Kriege!

Die Redaktion der BUNĂ verurteilt den Angriff der Russischen Regierung auf die Ukraine. Wir stehen in Solidarität mit den Menschen in Russland, Belarus und der Ukraine, die sich dem imperialistischen Machtstreben der Russischen Regierung widersetzen. Unsere Gedanken sind nicht zuletzt bei den Menschen, die in der Ukraine, in Russland und Belarus für eine herrschaftsfreie, solidarische, anti-kapitalistische Gesellschaft gleichberechtigter Menschen kämpfen und die sich dort seit vielen Jahren staatlicher Verfolgung und Repression erwehren müssen.

Im folgenden Veröffentlichen wir eine Stellungnahme der Basisgruppe Antifaschismus aus Bremen, der wir uns vollinhaltlich anschliessen.

Krieg dem Krieg!

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine erklären wir uns solidarisch mit den vom Krieg betroffenen Menschen. Er ist der vorläufige Höhepunkt der militaristischen Außenpolitik des vom bonarpartistischen Autokraten Putin geführten russischen Staates. Mit ihr versucht er die eigenen inner-russischen extremen sozialen Widersprüche zwischen kapitalistischen Oligarchen auf der einen und massenhafter Armut auf der anderen Seite nicht nur nationalistisch zu deckeln. Es geht der russischen Staatsführung auch um die Verbesserung der eigenen Stellung in der weltweiten Staatenkonkurrenz, um den Klassenaufstieg zum vollwertigen imperialistischen player. Unterstützung erfährt Russland dabei deshalb nicht durch Zufall durch Staaten mit ähnlichen Ambitionen wie China und Indien.

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Frühjahrsausgabe 2022 der BUNĂ erschienen

Liebe Leserinnen und Leser,

die vorliegende Ausgabe der BUNĂ beinhaltet wieder ein weites Spektrum an Themen und Informationen. Wir freuen uns sehr, ein tiefgründiges Interview mit den Musikern Christian Asbach und Rummelsnuff veröffentlichen zu können. Wer noch nie von ihnen gehört hat, dem sei eine kleine Sucheingabe auf dem Musik-Portal eigener Wahl empfohlen. Ihre Beziehungen und Erfahrungen mit Rumänien schildern sie in diesem Heft.

In vielen Ländern der Welt existieren anarchistische Archive, deren Regale und Ordner oftmals wahre Schätze beinhalten. Sie sorgen u.a. dafür, dass vergessene und unbekannte Ereignisse und Menschen wieder entdeckt werden können und der Forschung zur Verfügung stehen. Sie sind ein Gedächtnis des Anarchismus. In Rumänien haben Aktive nun auch ein solches Archiv auf die Beine gestellt, das sich vornehmlich der anarchistischen Geschichte Rumäniens widmet und digitalisierte Zeit- und Flugschriften für jede und jeden Interessierten zur Verfügung stellt. Wir führten ein aufschlussreiches Gespräch mit den Genossinnen und Genossen des Anarhiva in Cluj.

Und es gibt Grund sich zu erinnern. Denn vor über 130 Jahren begann die Agitation für den anarchistischen Kommunismus in Rumänien. Martin Veith blickt auf die Anfänge zurück und stellt uns Protagonisten, Aktivitäten und die Zeitschrift „Răzvrătirea“ vor.

Wir berichten ausführlich über den selbstorganisierten Streik und die gewerkschaftlichen Organisierungsaktivitäten der Waggonbauer bei Astra-Rail in Arad, Caracal und Turnu-Severin. In ausführlichen Kurzmeldungen informieren wir über Neues aus der europäischen anarchistischen Bewegung. Vorgestellt wird eine Film-Dokumentation des rumänischen Reporter-Netzwerks Recorder über „30 Jahre nach dem Sturz Ceaușescus“, die für alle an Rumänien interessierten mit einem kritischen Blick mit Gewinn gesehen werden kann.

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Um uns selbst müssen wir uns selbst kümmern

Zwei Jahre seit der Ermordung von Alexandra Măceșanu und Luiza Melencu. Polizei, Mafia, Patriarchat und Staat sind mitverantwortlich für ihren Tod

Von A. Schwarz

Ein Hinweis zuvor: Der folgende Beitrag ist alles andere als eine einfache Lektüre. Er wühlt auf und macht wütend. Er behandelt die nachgewiesene Ermordung von mindestens zwei jungen Frauen durch Gheorghe Dincă und die Mitverantwortung der Polizei dabei. Einmal mehr wird die unerträgliche patriarchale gesellschaftliche Realität in Rumänien deutlich. Und einmal mehr rückt der Menschenhandel in den Fokus.

Am 24. Juli 2019 wurde die 15-jährige Alexandra Măceșanu entführt, geschlagen und vergewaltigt. Einen Tag später wurde sie zerstückelt und verbrannt. Die aus der kleinen Gemeinde Dobrosloveni im Bezirk Olt stammende Schülerin war auf dem Weg zu ihrem Freund in die Stadt Caracal. Da es auch in dieser Region keinen funktionierenden Personennahverkehr auf dem Land gibt, war sie für den Weg in die Stadt auf das Fortbewegen per Anhalter angewiesen. Sie wurde von ihrem Peiniger und Mörder, dem 65-jährigen Gheorghe Dincă mitgenommen, der sie zu seinem kleinen Anwesen verschleppte. Wie sich später herausstellte, hatte Dincă bereits im April die 18-jährige Luiza Melencu entführt, geschlagen, vergewaltigt und ermordet.

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Rumänische 24h-Betreuer:innen in Österreich – Ausbeutung und Selbstorganisierung

Von KM (Einleitung und Übersetzung)

Foto: Christopher Glanzl

In Österreich wurde vor eineinhalb Jahrzehnten die Ausbeutung von Betreuer:innen pflegebedürftiger Menschen gesetzlich verankert. Damit wurde ein System systematischer Ausbeutung und Diskriminierung von Arbeiter:innen aus Ostmitteleuropa geschaffen, von dem lediglich die österreichischen Vermittlungsagenturen profitieren.

Im Jahr 2018 haben 24h-Betreuer:innen aus Rumänien begonnen, sich in einer Facebook-Gruppe über besonders ausbeuterische Agenturen auszutauschen. Daraus ist DREPT pentru îngrijire (RECHT für die Pflege), ein selbstorganisiertes Netzwerk von 24h-Betreuer:innen und Aktivist:innen entstanden. Im August 2020 gründete DREPT einen Verein und kurz darauf mit der slowakischen Iniciatíva za zlepšenie podmienok v 24h opatrovaní (Initiative zur Verbesserung der Bedingungen in der 24-Stunden-Pflege) den Dachverband IG24.

Dies ist eine deutschsprachige Übersetzung eines auf LeftEast erschienenen englischsprachigen Artikels, in dem eine Betreuerin aus Rumänien über Arbeitsbedingungen, Selbstorganisation und Existenznöte während der Covid19-Pandemie berichtet.

Post(pandemische) Kämpfe in der sozialen Reproduktion: Rumänische 24h-Betreuer:innen in Österreich – Ausbeutung und Selbstorganisierung

Von Cornelia Igas, 13. Januar 2021

Der vorliegende Text wurde gemeinsam von der Redaktion der Internetseite LeftEast und der Plattform Transnational Social Strike herausgeben und ist Teil einer Reihe von Publikationen und Webinaren zu den Themen soziale Reproduktion, (Frauen-)Arbeit und Migration in Ostmitteleuropa und darüber hinaus. Das Ziel der Reihe ist es, das Bewusstsein für die Kämpfe um Arbeits-, Reproduktions- und Migrant:innenrechte zu schärfen, sowie für die Situation von Frauen in der Gesellschaft und wie diese durch den Ausbruch der COVID-19-Pandemie beeinträchtigt wurde. Die Publikationen und Webinare werden in Zusammenarbeit zwischen dem bulgarischen linken feministischen Kollektiv LevFem und der Plattform Transnational Social Strike koordiniert und von der Friedrich Ebert Stiftung – Bulgarien gefördert. Die meisten Teilnehmer:innen der Reihe sind Teil des neu entstandenen Netzwerks EAST (Essential Autonomous Struggles Transnational), das Aktivist:innen und Arbeiter:innen in/aus Ostmitteleuropa vereint. Für weitere Informationen kannst du das Netzwerk unter essentialstruggles@gmail.com kontaktieren. Das Verbreiten von Artikeln aus dieser Serie ist unter der Bedingung erlaubt, dass auf die ursprüngliche Publikationsquelle verwiesen wird.

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Die BUNĂ im Interview mit der Direkten Aktion

DA ScreenshotJay Parker von der online erscheinenden anarcho-syndikalistischen Zeitschrift Direkte Aktion führte ein ausführliches Interview mit Martin aus unserer Redaktion. In dem Gespräch wird die Entwicklung der BUNĂ nachgezeichnet und Einschätzungen über die aktuelle Lage in Rumänien und die Historie des Landes gegeben. Es streift weiterhin die jüngste und die aktuelle anarchistische Gegenwart. Das Interview findet sich hier: https://direkteaktion.org/befreiung-und-emanzipation-nicht-nur-in-rumaenien/

Frühjahrs-Ausgabe 2021 der BUNĂ erschienen. Zeitschrift für Befreiung & Emanzipation – nicht nur in Rumänien

BUNA 8 TitelCOVID-19 verdrängt in den bürgerlichen Medien viele schon zuvor bestehende gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten. Die Regierungspolitik zur Pandemie erschwert es weiterhin oft, Menschen in Not solidarisch unterstützen zu können. Ein Beispiel dafür zeigt sich in dem Interview, das wir mit Genossinnen und Genossen in Timișoara führten. Sie unterstützen Geflüchtete aus Afghanistan in ihrer Stadt. Aus Platzgründen ist es nur online auf unserem Blog erschienen. Radu Stochița berichtet über den Widerstand von Pfleger:innen und Arbeitenden in der rumänischen Gesundheitsindustrie. Aus Österreich wird über die Selbstorganisation von Pflegearbeiterinnen und Pflegarbeitern aus Rumänien und der Slowakei informiert. In einem Grundsatzartikel blicken wir auf die Ermordung von Alexandra Măceșanu und Luiza Melencu vor zwei Jahren zurück und thematisieren die Rolle von Patriarchat, Polizei, Staat und Mafia-Clans dabei. Dazu haben wir Auszüge aus der Broschüre „Poliția ucide“ („Die Polizei tötet“) von Veda Popovici ins Deutsche übersetzt.

Einen Schwerpunkt der vorliegenden Ausgabe bildet die spannende Studie von Adina Marincea This is (NOT) a love story! Eine kurze Geschichte des Anarcha-Feminismus in Rumänien. Vom Punk zur Intersektionalität“. Und wir veröffentliche eine Internationale anarchistische Erklärung zur 150. Wiederkehr der Pariser Kommune.

Kurznachrichten rund um die anarchistische und syndikalistische Bewegung finden sich aus Rumänien, Deutschland, Frankreich, Belarus und Österreich. Den Nachrichtenüberblick zu Ereignissen in Rumänien und Moldawien konnten wir abermals aus Platzgründen nicht mit ins Heft nehmen.

Erstmals haben wir eine eigene Postkarte herausgegeben. Sie liegt dem Heft bei. Bestellungen sind, solange der Vorrat reicht, gegen Spende möglich.

Wir wünschen euch viel Spaß und Erkenntnis mit dem Heft. Wenn ihr uns gut findet, dann unterstützt die BUNĂ mit einem Abo und werbt für diese einzigartige Zeitschrift. Wir versenden auf Anfrage gerne kostenlose Probehefte. Für Anregungen und Hinweise haben wir ein offenes Ohr.

Inhalt und Bestellung:

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Interview mit einem „Food not bombs”-Aktivisten aus Timișoara über die Solidarität mit Geflüchteten und die aktuelle Situation

Stand: Ende März 2021

Intervention der Polizei gegen Geflüchtete in einem besetzten Haus. Foto: T. S. Photography

BUNĂ: Kannst du uns etwas über die Situation der Geflüchteten in Temeswar/Timișoara erzählen?

FnB Timișoara: Ich denke, dass die Anzahl der Geflüchteten (Aus Afghanistan, Anm. BUNĂ), die die Grenze überschritten, im November 2020 mehr und mehr zugenommen hat. Als die Grenze mit Ungarn geschlossen wurde, versuchten sie einen anderen Weg durch Rumänien und Ungarn zu finden. Die aktuelle Situation ist sehr schlecht. Die Aufnahmezentren sind voll und Geflüchtete/Asylbewerber stehen auf der Straße. Im Moment um die 200. Einige der Leute auf den Straßen sind die, die einen Aufenthaltsstatus für Rumänien erhalten (oder beantragt) haben, aber zu Aufnahmezentren in Giurgiu, Covasna und anderen Städten verwiesen wurden. Sie kommen nach Timișoara, das näher an der westlichen Grenze liegt, um ihren Weg in Richtung Westen fortzusetzen. Wie einige von ihnen uns gegenüber bei Gelegenheit äußerten: „Hier kann man nichts tun. Wenn das Leben hier schon für euch hart ist, könnt ihr euch vorstellen, wie die Dinge erst für uns sind.“

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Gott und der Staat

100 Jahre nach der Veröffentlichung der von Panait Mușoiu besorgten Ausgabe erschien 2019 Bakunins „Gott und der Staat“ in Rumänien in einer neuen, editorisch ergänzten und erweiterten Ausgabe. Der Verlag „Editura Pagini Libere“ arbeitete über ein Jahr an der Neuherausgabe, die mehr als gelungen ist.

„Gott und der Staat“ ist eine grundsätzliche Schrift des russischen Anarchisten Michael Bakunin (1814-1876) und zählt bis heute zu den wichtigsten anarchistischen Schriften des 19. Jahrhunderts. Das Werk ist ein Klassiker und besteht aus Fragmenten des Textes „Das Knutogermanische Kaiserreich und die soziale Revolution“. Er entstand in den Jahren 1870/71. Bakunin analysiert die autoritären, hierarchischen und zentralistischen Gesellschaftsstrukturen, er analysiert ebenso in tiefgründigster Weise die Religion, „Gott“ und die aus den Religionen hervorgehenden Priesterkasten sowie das Verderben, das diese seit ihrer Existenz über die Menschheit und den freien Geist bringen. Der Staat ist der Ausdruck der jeweils herrschenden Klasse, um Privilegien für wenige zu sichern und das Kapital und die Kapitalisten in seiner und ihrer Mächtigkeit zu beschützen, um die Ausbeutung der Mehrheit der Menschen, der Lohnarbeiter, Bauern und Sklaven fortbestehen zu lassen. Deswegen stellt sich Bakunin ohne wenn und aber auf die Seite der „Materialisten“ gegen die „Idealisten“. Er schreibt: „Jawohl, die Tatsachen gehen den Ideen voran, jawohl, das Ideal ist, wie Proudhon sagte, nur eine Blume, deren Wurzel die materiellen Existenzbedingungen bilden. Jawohl, die ganze geistige und moralische, politische und soziale Geschichte der Menschheit ist ein Reflex ihrer wirtschaftlichen Geschichte.“ „Gott und der Staat“ ist ein zutiefst philosophisches und gleichzeitig rationales und revolutionäres Werk. Zahlreiche darin getroffene Aussagen finden heutzutage noch als Zitate in Veröffentlichungen anarchistischer und freigeistiger Menschen eine Bestimmung und regen zum Nachdenken und zum überdenken tradierter, konservativer Gesellschaftsvorstellungen an.

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Wer kennt noch Panait Istrati?

Eine neue Biographie von Birgit Schmidt bringt wenig neues.

Panait Istrati ist ein Schriftsteller, der nach und nach in deutschsprachigen Gefilden an Bekanntheit einbüßt. Das ist mehr als schade, denn bei ihm handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um einen „Schriftsteller von unten“. Als Sohn einer Wäscherin und eines Schmugglers wurde er 1884 in der multiethnischen Donauhafenstadt Brăila in Rumänien, kurz vor dem Schwarzen Meer, geboren und wuchs dort auf. Noch als Kind verließ der Vater die kleine Familie und Panait Istrati mußte zum Lebensunterhalt beitragen. Er schlug sich Zeit seines Lebens mit meist schlecht bezahlten und körperlich anstrengenden Arbeiten durch den Alltag, ehe er sich mit seinem schriftstellerischen Können schließlich für ein paar Jahre etwas Luft vom puren Existenzkampf verschaffen konnte. „Entdeckt“ vom einflußreichen französischen Schriftsteller Romain Rolland (1866-1944) wurde er vor allem in Frankreich populär und seine Werke erzielten mehrere hohe Auflagen. Istrati ist ein wahrer Meister von Wort und Gefühl, der mit großer Leidenschaft Geschichten vom Leben der Menschen in einem unvergleichlichen, fesselnden Stil erzählt. Im Zentrum stehen dabei ihre Realitäten und Träume, ihre Hoffnungen und Kämpfe, die immer wieder mit den Beschränkungen von Klassengesellschaft und Traditionen kollidieren. Istrati war Zeit seines Lebens ein Freigeist, Vagabund und trank und feierte gerne. Die Ungerechtigkeiten der bürgerlichen Gesellschaft machten ihn zum Sozialisten, der schonungslos Unrecht benannte, wo immer es sich zeigte.

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