Tagged: Aufklärung

Buchbesprechung: Kischinew. Das Pogrom von 1903

Das grauenvolle antisemitische Pogrom von 1903 im damals zum russischen Zarenreich gehörenden Kischinew (Chișinău, heute Hauptstadt der Republik Moldawien), ist Gegenstand einer von Andreas W. Hohmann und Jürgen Mümken herausgegebenen Textsammlung unter dem Titel „Kischinew. Das Pogrom 1903“. Die beiden haben sich des Pogroms in der bessarabischen Hauptstadt, deren jüdischer Bevölkerungsanteil im Jahr 1903 bei 48% lag, sowie der generellen Judenfeindschaft und des Antisemitismus innerhalb der russischen, rumänischen und deutschen Bevölkerung der Region und des russischen Staatsapparates zu Beginn des 20. Jahrhunderts angenommen. Dabei haben sie eine eindrückliche Fülle von Informationen, Berichten und Dokumenten zusammengetragen. Sie referieren über die von Kirchen und Zaren geschürten antisemitischen gesellschaftlichen Einstellungen und die von den Zaren erlassenen antisemitischen Gesetze und Bestimmungen. Erläuternde Hinweise, z.B. in den Fußnoten, vertiefen gelesenes. Das Buch gliedert sich in drei Bereiche. Der erste behandelt die Pogrome und steht unter der Unterüberschrift „Darstellungen, Einordnung, Reaktionen“, der zweite behandelt den „literarischen Widerhall des Oster-Pogroms“ und der dritte schließlich befasst sich mit den Ereignissen und der Auswanderung der Juden in der US-amerikanischen Literatur.

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Es braucht starke Argumente und Geduld – Interview mit einem rumänischen Atheisten

„Menschen zu überzeugen erfordert harte Arbeit, starke Argumente und eine Menge Geduld“

Auf dem sozialen Netzwerk Facebook informiert seit 2014 die Seite „Ducatul Ateist de Alba“ über Religion, Kirche und Gesellschaft in Rumänien. Atheistische Überzeugungen werden mit „Humor, Sarkasmus, Blasphemie und allen anderen Zutaten, die der Religion Schaden zufügen“ den über 42.000 „followern“ nahegebracht. Mit dieser großen Anzahl erreichter Menschen nimmt das „Atheistische Herzogtum von Alba“ – eine Anspielung auf das orthodoxe Erzbistum in der Stadt Alba Iulia, in dem sowohl eine staatlich finanzierte orthodoxe Hochschule mit Priesterausbildung, als auch eine Kathedrale von landesweiter Bedeutung ihren Sitz haben – eine herausragende Position ein. Aufmerksame LeserInnen der BUNĂ wissen von dem verhängnisvollen Einfluss der orthodoxen Kirche und weiterer reaktionär religiöser Gruppen auf die rumänische Gesellschaft.

Wir sprachen mit einem der ehrenamtlich tätigen Aktivisten des atheistischen Herzogtums im Dezember 2015.

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