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„Wir müssen den ‘Fluss der Anarchie’ anzapfen, wir müssen Risiken eingehen. Wir müssen beginnen, die Mauern einzureißen.“

Ein Interview mit dem Literaturwissenschaftler, Philosophen und Anarchisten Adrian Tătăran

BUNĂ: Lieber Adrian, wie bist auf das Thema Anarchismus und Geschichte des Anarchismus in Rumänien gekommen?

Adrian Tătăran: Mein Interesse an anarchistischen Ideen und der anarchistischen Bewegung begann vor ca. 10 Jahren, als ich eine rumänische Übersetzung von Bakunins „Gott und der Staat“ in die Hände bekam. Wenn ich nun zurückblicke, kann ich sagen, dass dieser aufrührerische Text so etwas wie ein Funke war, der viele Ideen, die ich diffus in mir trug, erhellte und ihnen einen klaren Ausdruck verlieh.

Ich bin im Rumänien der 90er aufgewachsen. Es war eine wirklich chaotische und unbeständige Zeit, die auf eine brutale Diktatur folgte, deren Spuren noch immer in der Gesellschaft präsent waren. Ich wuchs als Metalhead in einem Land auf, das zu dieser Zeit ausgesprochen konservativ und autoritär war. Wir waren nicht explizit politisch bewusst und wussten nur ungefähr was Anarchismus bedeutet. Wie auch immer, wir lebten Metal als eine Form der Rebellion. Wir bildeten zusammen eine kleine Gemeinschaft, eine Art von Gegen-Gesellschaft, in der wir frei sein konnten, hier und jetzt; frei von all dieser „Welle von Betrug, Durchtriebenheit, Ausbeutung, Verdorbenheit, Laster – in einem Wort: Ungleichheit – die sie in all unsere Herzen gegossen haben“, wie es Kropotkin möglicherweise ausgedrückt hätte; frei von Unterwürfigkeit, Angst und Uniformität, die als höchste Form der Moral verklärt wird, frei von einer ausweglosen Zukunft als Menschen in einer Sackgasse. Das erklärt, weshalb für mich die Begegnung mit Bakunins Text ein so befreiendes und kraftvolles Ereignis darstellt.

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„Neben den Ideen und Initiativen geht es uns um die Menschen, die mitmachen“

Ein Interview mit R. von A-casă aus Cluj

BUNĂ: Um was handelt es sich bei A-casă. Handelt es sich um ein besetztes Haus? Und wie seid ihr auf die Namensgebung gekommen?

R. von A-casă: A-casă ist kein besetztes Haus, es handelt es sich um ein Mietshaus. Doch auch wenn es kein „Squat“ ist – denn hier im Land existiert keine „Kultur“ oder Praxis „anarchistischer Besetzungen“; Nur die Ärmsten, oftmals Roma, besetzen Häuser oder Wohnung um zu überleben – funktioniert es nahe an dem, was ein soziales Zentrum oder ein besetztes Haus sein sollte. Der Name des Gebäudes bedeutet im rumänischen „Zuhause“ und die Namensgebung war das Ergebnis einer kollektiven Entscheidung, dem Platz einen Namen zu geben. Auch wenn es den romantischen Kreis um seinen Namen hat, ist es kein Name, den wir besonders mögen. Es lag vielmehr daran, dass wir zu Beginn einen vertrauten Namen suchten um Menschen anzusprechen. Natürlich ist ein Name nur ein Name und in gewisser Weise nicht zu wichtig. Das ist auch der hauptsächliche Grund dafür, warum wir nicht wirklich daran gingen, ihn im Laufe der Zeit zu ändern.

BUNĂ: Seit wann gibt es euch?

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