Tagged: Faschisten

Heilsversprechen und Terror

Eine Biographie über den rumänischen christlichen Faschistenführer Corneliu Zelea-Codreanu

Der in Wien lehrende Historiker und Geschichtsprofessor Oliver Jens Schmitt veröffentlichte 2016 mit „Căpitan Codreanu – Aufstieg und Fall des rumänischen Faschistenführers“ eine erste biographische Studie über Leben und Wirken von Corneliu Zelea-Codreanu (1899-1938). Schmitt hat sich bereits in anderen Arbeiten mit dem rumänischen Faschismus auseinandergesetzt. In dem gemeinsam mit Armin Heinen herausgegebenen Sammelband „Inszenierte Gegenmacht von rechts. Die ‚Legion Erzengel Michael‘ in Rumänien 1918-1938“ veröffentlichte er 2013 die Studie „‘Zum Kampf, Arbeiter‘. Arbeiterfrage und Arbeiterschaft in der Legionärsbewegung (1919-1938)“ die das Verhältnis von faschistischer Legionärsbewegung und Arbeiterschaft thematisiert und wichtige, oftmals neue, Erkenntnisse über die einflussreiche Rolle und die durchaus revolutionären Absichten von Arbeitern in der nationalistisch-faschistischen Massenbewegung Rumäniens publik macht und analysiert. Eine der wesentlichsten Erkenntnisse aus dieser Studie ist die Tatsache, das viele ideologische Elemente der Legionärsbewegung in der national-kommunistischen Ceaușescu-Diktatur zwischen 1967–1989 Platz fanden.

Continue reading

Advertisements

Buchbesprechung: Kischinew. Das Pogrom von 1903

Das grauenvolle antisemitische Pogrom von 1903 im damals zum russischen Zarenreich gehörenden Kischinew (Chișinău, heute Hauptstadt der Republik Moldawien), ist Gegenstand einer von Andreas W. Hohmann und Jürgen Mümken herausgegebenen Textsammlung unter dem Titel „Kischinew. Das Pogrom 1903“. Die beiden haben sich des Pogroms in der bessarabischen Hauptstadt, deren jüdischer Bevölkerungsanteil im Jahr 1903 bei 48% lag, sowie der generellen Judenfeindschaft und des Antisemitismus innerhalb der russischen, rumänischen und deutschen Bevölkerung der Region und des russischen Staatsapparates zu Beginn des 20. Jahrhunderts angenommen. Dabei haben sie eine eindrückliche Fülle von Informationen, Berichten und Dokumenten zusammengetragen. Sie referieren über die von Kirchen und Zaren geschürten antisemitischen gesellschaftlichen Einstellungen und die von den Zaren erlassenen antisemitischen Gesetze und Bestimmungen. Erläuternde Hinweise, z.B. in den Fußnoten, vertiefen gelesenes. Das Buch gliedert sich in drei Bereiche. Der erste behandelt die Pogrome und steht unter der Unterüberschrift „Darstellungen, Einordnung, Reaktionen“, der zweite behandelt den „literarischen Widerhall des Oster-Pogroms“ und der dritte schließlich befasst sich mit den Ereignissen und der Auswanderung der Juden in der US-amerikanischen Literatur.

Continue reading

Bessarabiendeutsche: Täter oder Mitläufer?

Bessarabiendeutsche: Täter oder Mitläufer?

Das Buch Die „Rückführung“ der Volksdeutschen am Beispiel der Bessarabiendeutschen von Heinz Fieß ist eine vertane Chance, bessarabiendeutsche Geschichte durch Aktive der Bessarabiendeutschen Gemeinschaft endlich kritisch zu behandeln.

Ende 2015 erschien im Selbstverlag ein Buch des langjährigen Funktionärs der bessarabiendeutschen Landsmannschaft (heute Bessarabiendeutscher Verein e.V.) und Redaktionsleiters deren Mitteilungsblattes, Heinz Fieß. Unter dem Titel „Die ‘Rückführung’ der Volksdeutschen am Beispiel der Bessarabiendeutschen“ behandelt er die Umsiedlung der ca. 95.000 Bessarabiendeutschen im Jahre 1940. Aufgrund seiner langen Beschäftigung mit den Belangen der Bessarabiendeutschen, seiner Bekanntschaft mit Teilnehmern der Umsiedlung sowie deren Erfahrungsberichten und dem Umstand, dass der Autor selbst aus einer bessarabiendeutschen Familie stammt, sollte man von dem vorliegenden Buch detaillierte Einblicke in den Ablauf der Umsiedlung, aber auch zu den gesellschaftlichen Hintergründen dieser kaum bekannten deutschen Volksgruppe erwarten können.

Continue reading

Einblicke in den rumänischen Fußball und den Nationalismus in den Fan-Kurven

Zwischen Liga-Frust und EM-Patriotismus

Einblicke in den rumänischen Fußball und den Nationalismus in den Fan-Kurven

Von F. List

Es hätte so schön sein können: Eine Liga, prallgefüllt mit Traditionsvereinen, langjährig bekannten Ultragruppen und so ganz ohne selfiesuchende Eventfans. Fast wäre dieser Traum eines manchen rumänischen Fans wahr geworden. In den letzten Jahren mussten diese leider immer öfter mit ansehen, wie sich große Namen des rumänischen Vereinsfußballs aus den oberen Ligen verabschiedeten und sich entweder im unterklassigen Niemandsland neugründen oder sogar ganz verschwinden mussten. Am Ende dieser Saison kam jedoch ein Funke Hoffnung auf, dass die 2. Liga bald eine Art „Klassentreffen alter Fußballklubs“ werden könnte. Mit Rapid Bukarest, Universitatea Cluj, Farul Constanța, Gloria Buzău, UTA Arad, Poli Timișoara und FC Brașov hätte das nostalgische Herz gleich wieder schneller geschlagen. Leider platzte aber dieser Traum, ehe er wirklich zur Realität werden konnte. Während man Rapid Bukarest den Aufstieg in die 1. Liga noch gönnte, musste sich U Cluj im Playout geschlagen geben und nach 16 Jahren wieder in die 3. Liga zurück kehren. Bangen müssen aktuell auch die Jungs von der Schwarzmeerküste. Der nach dem rumänischen Wort für „Leuchtturm“ benannte FC Farul Constanța steckt mal wieder in massivsten Geldnöten und bereits jetzt diskutieren Anhänger über eine mögliche Neugründung des Vereins. Hier spalten sich jedoch die Geister. Während die jetzigen Ultragruppen einen von Fans ins Leben gerufenen Verein strikt ablehnen, streben ältere Ultras genau solch ein Projekt an. Zu guter Letzt wird auch die Elf aus Buzău beim Traditions-Wiedersehen fehlen. Die nord-östlich von Bukarest gelegene Stadt beklagt ebenso finanzielle Probleme und konnte im entscheidenden Relegationsspiel noch nicht einmal einen spieltauglichen Kader zusammenstellen.

Continue reading