Getagged: Rumänien

„Der Schwerpunkt unserer Sammlung liegt auf der anarchistischen Bewegung in Rumänien“

Ein Interview mit dem Anarhiva

Bis vor wenigen Jahren war die Existenz einer eigenständigen und publizistisch regen anarchistischen Bewegung in Rumänien nur wenigen Menschen bekannt. Dabei existierte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine solche Freiheits- und Emanzipationsbewegung. In den letzten Jahren sind zur Geschichte des Anarchismus in Rumänien und seiner ProtagonistInnen einige Veröffentlichungen erschienen. Seit kurzem gibt es mit dem Anarhiva ein Archiv in Rumänien, das sich der Sammlung und Sicherung anarchistischer Materialien aus dem Land angenommen hat. Wir sprachen mit ihnen über die Ziele und Arbeit des jungen Archivs.

BUNĂ: Was für Material sammelt ihr?

Anarhiva: Die meisten Materialien spiegeln die vielfältigen Möglichkeiten der Selbstorganisation und des anarchistischen Kampfes in den letzten 150 Jahren wider. Dies bedeutet, dass wir sowohl klassische Materialien wie historische Korrespondenz, Manuskripte, Zeitschriften, Broschüren, Bücher, Fotografien usw. zusammenführen, als auch das, was moderne Archive und Bibliotheken als nicht von öffentlichem Interesse halten würden, wie kurzlebige Drucke, die von Anarcho-Punk-Kollektiven veröffentlicht wurden wie: DIY Zines, kleine Flugblätter, Plakate, anarchistische Manifeste oder sogar Graffities. Wir haben auch mit einer kleinen Video- und Audiobibliothek begonnen. Wir sprechen also von ungefähr allen Medien- und Veröffentlichungsformaten.

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Kampfgeister – Erste Ausgabe erschienen

Liebe Leser:innen und Freund:innen der BUNĂ. Die erste Druckausgabe unseres Nachfolgeprojekts, den Kampfgeistern, ist erschienen und wurde bereits an alle Abonnent:innen der BUNĂ verschickt. Wir haben jeder Sendung eine Info darüber beigefügt, bis zur wievielten Ausgabe der Kampfgeister das BUNĂ-Abo anteilig verrechnet wird. Wir hoffen ihr findet das neue Magazin genauso ansprechend wie wir und freuen uns über Anregungen und Kritik.

In der ersten Ausgabe finden sich in deutscher Erstübersetzung die „Erinnerungen“ von Mechel Stanger, einem Anarcho-Syndikalisten aus der Bukowina. Er beteiligte sich u.a. aktiv in der anarchistischen/syndikalistischen Bewegung der Bukowina in den 1920er/30er Jahren, desertierte aus dem gewalttätigen rumänischen Militärdienst, floh nach Westeuropa, kämpfte 1937 in der sozialen Revolution in Spanien und lebte anschliessend in Schweden. Dort war er in der syndikalistischen Arbeiter:innenbewegung und deren Gewerkschaft SAC aktiv. Die Druckausgabe der Kampfgeister kann für 3 Euro plus 2 Euro für Verpackung und Versand über: kampfgeister@syndikalismusforschung.info bestellt werden. Ein Abo über 3 Ausgaben gibt es für 15 Euro, ein Förderabo mit der Wahl einer Buchprämie für 25 Euro. Alle Infos dazu findet ihr hier: https://syndikalismusforschung.wordpress.com/kampfgeister/

Auf unserem BUNĂ-Blog werden weiterhin unregelmäßig Beiträge zu Rumänien, Moldawien und allem was dazu gehört veröffentlicht werden. Schaut vorbei.
Und natürlich: Unterstützt die anarcho-syndikalistische Presse und Medienlandschaft.

Nicolas Trifon

Un parcurs libertar internaționalist. Interviuri

2020 erschien in Rumänien eine Sammlung von Interviews mit dem 1949 in Bukarest geborenen Anarchisten Nicolas Trifon. Dieser gehörte zu denjenigen, die während der national-kommunistischen Diktatur Kritik von einem zunehmend libertären Standpunkt aus äußerten. Diese Kritik war dem Herrschaftssystem nicht willkommen und 1977 emigrierte Nicolas Trifon nach Frankreich. Dort arbeitete er mit anarchistischen Genossinnen und Genossen aus Osteuropa, vornehmlich Bulgarien, zusammen. Gemeinsam gaben sie die Zeitschrift „Iztok“ (Ost) heraus.

Der Literaturwissenschaftler und Anarchist Adrian Tătăran besorgte die Herausgabe des wunderschön gestalteten Bandes über den in Deutschland und auch in Rumänien kaum bekannten Oppositionellen. Er schreibt dazu:

„Nicolas Trifon, ein Libertärer, der 1977 Rumänien verließ und sich in Paris niederließ, hatte einen anderen (persönlichen und politischen) Weg als den, den wir normalerweise kennen. Im Kalten Krieg (…) wurden die Stimmen der sich bekennenden Gegner in unserem Land und anderswo verwendet, um im Gegensatz dazu das „entgegengesetzte“ politische und soziale Modell zu legitimieren. Es ist nicht überraschend, dass im Allgemeinen denjenigen, die Diktatur und Ungerechtigkeit scharf verurteilten und sich weigerten, fügsam unter den verfügbaren „vorgefertigten“ Lösungen zu wählen, sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Deshalb ist der Weg von Nicolas Trifon interessant. Er hinterfragt die simplen und dogmatischen Dichotomien, an die wir in Rumänien vielleicht so gewöhnt sind und die nach 1989 einen Platz des Diskurses und der politischen und intellektuellen Debatte eingenommen haben (und immer noch einnehmen). Tatsächlich kam das angekündigte Ende der Geschichte mit dem Zusammenbruch des „Vorhangs“ nicht, und die Ära des Wohlstands und der Gerechtigkeit, die durch die Akzeptanz des kapitalistischen Modells versprochen wird, wird noch erwartet. Begriffe wie Freiheit, Rechte oder Demokratie wurden inzwischen durch den „freien Markt“ fast vollständig von ihren Inhalten befreit. (…) Die alte Herrschaft der „roten Bürokratie“ hat den Regimewechsel fast intakt überstanden. Sie ist auf natürliche Weise und ohne zu viele Stolpersteine zur Autorität des „freien Marktes“ geworden, den nur wenige in Frage zu stellen gewagt haben, ohne dass die tatsächlichen Strukturen von Macht und Privilegien in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden. Die befreiende Lösung erwies sich wie so oft als ein weiterer Weg zur Knechtschaft für viele. Und diejenigen, die sich weigerten zu wählen, die „feuerfesten“, diejenigen, die sich kritisch in den sozialen Kampf einmischten und „an nichts festhielten“ (nach einem berühmten istrischen Wort), blieben so heute wie gestern wenig gehört. Dies ist auch bei Nicolas Trifon der Fall.

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In Kürze erscheinen die Kampfgeister

Nachrichten, Berichte, Forschungsergebnisse, Interviews, Besprechungen u.v.m.

Die Kampfgeister sind hervorgegangen aus dem Jahrbuch des Instituts für Syndikalismusforschung „Syfo – Forschung & Bewegung“ (2011-2020) und der „BUNĂ – Zeitschrift für Befreiung & Emanzipation – nicht nur in Rumänien“ (2014-2022).

Die Kampfgeister erscheinen als Druck- und als Digitalausgabe.

Bestellungen und Abo über: info(@)syndikalismusforschung.info

Online unter: syndikalismusforschung.wordpress.com/kampfgeister

Hier auf dem Revista BUNĂ-Blog wird es weiterhin Infos und Artikel zu Rumänien geben.

Die letzte BUNĂ – weiter geht es mit den Kampfgeistern

Liebe Leserinnen und Leser,

das neunte Heft ist die letzte Ausgabe der „BUNĂ – Zeitschrift für Befreiung & Emanzipation – nicht nur in Rumänien“. Nach sieben Jahren des immer wieder unregelmäßigen Erscheinens stellen wir die Zeitschrift ein. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Zum einen ist es der zeitliche Aufwand, den wir als Herausgeber und Redakteure für die Zeitschrift aufbringen müssen. In den letzten Jahren gab es einige personelle Veränderungen bei uns. Mitarbeitende wurden Eltern oder sind beruflich stark beansprucht. Zum anderen blieb auch das Interesse an der Zeitschrift aus der deutschsprachigen anarcho-syndikalistischen/anarchistischen Bewegung an den Entwicklungen in Rumänien und Moldawien geringer, als wir das von einer international-universal ausgerichteten Bewegung erwartet hatten. Ein Genosse sprach in diesem Zusammenhang kürzlich davon, dass die BUNĂ „ihrer Zeit voraus“ sei. Während die Zeitschrift in Rumänien über viele Freundinnen und Freunde verfügt, ist sie in Deutschland kaum über den Kreis weniger an der internationalen Situation interessierter anarchistischer/syndikalistischer Genossinnen und Genossen und an Rumänien Interessierten hinausgekommen. Nach einer umfassenden Analyse sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der zeitliche Aufwand, die Zeitschrift weiter herauszugeben, in keinem befriedigenden Verhältnis zu ihrer Verbreitung steht. Auch wenn die letzte Ausgabe ausverkauft ist, haben doch nur wenige anarchistische/syndikalistische Gruppen die BUNĂ abonniert oder verkaufen sie auf ihren Büchertischen. Eine Trendänderung zeichnet sich nicht ab, auch wenn wir für die Qualität und Vielfalt der Zeitschrift immer wieder viel Anerkennung erfahren, die uns über die Jahre auch bestärkte, weiter zu machen. Wir betrachten die Notwendigkeit einer Zeitschrift wie der BUNĂ nach wie vor als gegeben. Die Herausgabe macht aber unter den gegebenen Umständen wenig Sinn.

Es geht weiter mit den „Kampfgeistern“

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„Die Luft war drückend in Cluj“

Im Gespräch mit Christian Asbach und Käptn Rummelsnuff

Interview Martin Veith


Christian Asbach, Käptn Rummelsnuff und Bernd Butz am 20. August 2021 in Bremen. Foto: Martin Veith

Mit derber Strommusik und ausdrucksvollem Gesang ziehen seit einigen Jahren die Sänger, Musiker und Komponisten Christian Asbach und Käptn Rummelsnuff durch die Lande. Bei Konzerten und bei einigen Stücken werden sie dabei manchmal von weiteren Musikern und Sängern unterstützt. Das musikalische Repertoire ist dabei so vielfältig wie das Leben. Ernste Lieder wechseln sich mit besinnlichen und lustigen Stücken ab. Beide Männer sind zudem aktive Kraftsportler und „pumpen“ mit Gewichten. Diese Leidenschaft findet sich in einigen Liedtexten wider und zeigt sich zudem in zahlreichen Videoclips. Angeregt durch ihr großartiges Stück „Salutare“ wurden wir auf die Beziehung der beiden zu Rumänien aufmerksam und sprachen mit ihnen über ihre Eindrücke, Erfahrungen und Beziehungen dorthin, sowie über ihre Musik, die in der Redaktion der BUNĂ leidenschaftlich gern gehört wird.

BUNĂ: Lieber Rummelsnuff. Du bist in der DDR aufgewachsen und hast dort angefangen Musik zu machen. In einem Interview aus dem Jahr 2012 hast du berichtet, dass du im Alter von zwanzig Jahren und damit noch zu DDR-Zeiten nach Rumänien gefahren bist. Da herrschte noch Nicolai Ceaușescu und für die einheimische Bevölkerung mangelte es an vielem. Was waren deine Eindrücke dort? Du hast von einem „merkwürdigen Land damals“ gesprochen. Wo warst du? Und bist du seit damals einmal wieder dort gewesen? Verfolgst du heute noch, was in Rumänien geschieht?

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Spontane Streiks und gewerkschaftliche Neu-Organisierung bei Astra Rail

Mai 2021: Selbstorganisierte Streiks der Waggonbauer in Caracal, Turnu Sverin und Arad – Geschäftsführung und Justiz erklären Streiks für illegal

Von Martin Veith

Streikende Arbeiter in Arad.

Ein großartiges Zeichen selbständiger Arbeiterinitiative und Solidarität zeigten Arbeiter des rumänischen Waggonbaukonzerns Astra Rail, die in Caracal, Drobeta Turnu Severin und Arad im Mai 2021 in den Streik traten. Die Gründe dafür finden sich in der schlechten Bezahlung, schlechter Arbeitsschutz- und Sanitärbedingungen sowie der gewachsenen Unzufriedenheit mit den unternehmenshörigen Vertretern der traditionellen Betriebsgewerkschaften. Diese Unzufriedenheit mit vorgeblichen Gewerkschaftern, die de facto Karrieristen sind und auf Seiten der Geschäftsführung stehen, führte bereits 2019 zur Gründung der neuen Betriebsgewerkschaft Sindicat Unitas im größten Werk bei Astra Vagoane in Arad. Hier arbeiten mehr als 1.200 Kollegen. Generell sind die Arbeiten bei Astra Rail körperlich anstrengend und gesundheitlich belastend. Berufsgruppen beim Waggonbau sind z.B. Schweißer, Galvaniseure, Schlosser, Dreher, Lackierer, Elektriker, Verzinker. Die Werkhallen sind vom Ruß schmutzig und die Gase und Dämpfe von den Lackier-, Schweiß- und Galvanisierungsarbeiten müssen von den Arbeitern eingeatmet werden.

Lokale und landesweite Medien kamen vor Ort und berichteten über den Streik. Insbesondere die lokale Berichterstattung ging auf Hintergründe ein und ließ die streikenden Arbeiter zu Wort kommen. Diese erklärten, dass seit vielen Jahren nicht in die betriebliche Infrastruktur investiert werde, dass Maschinen und Werkzeuge veraltet, kaputt und reparaturbedürftig seien und an vielen Arbeitsplätzen Lebensgefahr bestehe. Um Schutzausrüstungen müsse man betteln und die sanitären Anlagen seien menschenunwürdig.

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Frühjahrsausgabe 2022 der BUNĂ erschienen

Liebe Leserinnen und Leser,

die vorliegende Ausgabe der BUNĂ beinhaltet wieder ein weites Spektrum an Themen und Informationen. Wir freuen uns sehr, ein tiefgründiges Interview mit den Musikern Christian Asbach und Rummelsnuff veröffentlichen zu können. Wer noch nie von ihnen gehört hat, dem sei eine kleine Sucheingabe auf dem Musik-Portal eigener Wahl empfohlen. Ihre Beziehungen und Erfahrungen mit Rumänien schildern sie in diesem Heft.

In vielen Ländern der Welt existieren anarchistische Archive, deren Regale und Ordner oftmals wahre Schätze beinhalten. Sie sorgen u.a. dafür, dass vergessene und unbekannte Ereignisse und Menschen wieder entdeckt werden können und der Forschung zur Verfügung stehen. Sie sind ein Gedächtnis des Anarchismus. In Rumänien haben Aktive nun auch ein solches Archiv auf die Beine gestellt, das sich vornehmlich der anarchistischen Geschichte Rumäniens widmet und digitalisierte Zeit- und Flugschriften für jede und jeden Interessierten zur Verfügung stellt. Wir führten ein aufschlussreiches Gespräch mit den Genossinnen und Genossen des Anarhiva in Cluj.

Und es gibt Grund sich zu erinnern. Denn vor über 130 Jahren begann die Agitation für den anarchistischen Kommunismus in Rumänien. Martin Veith blickt auf die Anfänge zurück und stellt uns Protagonisten, Aktivitäten und die Zeitschrift „Răzvrătirea“ vor.

Wir berichten ausführlich über den selbstorganisierten Streik und die gewerkschaftlichen Organisierungsaktivitäten der Waggonbauer bei Astra-Rail in Arad, Caracal und Turnu-Severin. In ausführlichen Kurzmeldungen informieren wir über Neues aus der europäischen anarchistischen Bewegung. Vorgestellt wird eine Film-Dokumentation des rumänischen Reporter-Netzwerks Recorder über „30 Jahre nach dem Sturz Ceaușescus“, die für alle an Rumänien interessierten mit einem kritischen Blick mit Gewinn gesehen werden kann.

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Um uns selbst müssen wir uns selbst kümmern

Zwei Jahre seit der Ermordung von Alexandra Măceșanu und Luiza Melencu. Polizei, Mafia, Patriarchat und Staat sind mitverantwortlich für ihren Tod

Von A. Schwarz

Ein Hinweis zuvor: Der folgende Beitrag ist alles andere als eine einfache Lektüre. Er wühlt auf und macht wütend. Er behandelt die nachgewiesene Ermordung von mindestens zwei jungen Frauen durch Gheorghe Dincă und die Mitverantwortung der Polizei dabei. Einmal mehr wird die unerträgliche patriarchale gesellschaftliche Realität in Rumänien deutlich. Und einmal mehr rückt der Menschenhandel in den Fokus.

Am 24. Juli 2019 wurde die 15-jährige Alexandra Măceșanu entführt, geschlagen und vergewaltigt. Einen Tag später wurde sie zerstückelt und verbrannt. Die aus der kleinen Gemeinde Dobrosloveni im Bezirk Olt stammende Schülerin war auf dem Weg zu ihrem Freund in die Stadt Caracal. Da es auch in dieser Region keinen funktionierenden Personennahverkehr auf dem Land gibt, war sie für den Weg in die Stadt auf das Fortbewegen per Anhalter angewiesen. Sie wurde von ihrem Peiniger und Mörder, dem 65-jährigen Gheorghe Dincă mitgenommen, der sie zu seinem kleinen Anwesen verschleppte. Wie sich später herausstellte, hatte Dincă bereits im April die 18-jährige Luiza Melencu entführt, geschlagen, vergewaltigt und ermordet.

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Rumänische 24h-Betreuer:innen in Österreich – Ausbeutung und Selbstorganisierung

Von KM (Einleitung und Übersetzung)

Foto: Christopher Glanzl

In Österreich wurde vor eineinhalb Jahrzehnten die Ausbeutung von Betreuer:innen pflegebedürftiger Menschen gesetzlich verankert. Damit wurde ein System systematischer Ausbeutung und Diskriminierung von Arbeiter:innen aus Ostmitteleuropa geschaffen, von dem lediglich die österreichischen Vermittlungsagenturen profitieren.

Im Jahr 2018 haben 24h-Betreuer:innen aus Rumänien begonnen, sich in einer Facebook-Gruppe über besonders ausbeuterische Agenturen auszutauschen. Daraus ist DREPT pentru îngrijire (RECHT für die Pflege), ein selbstorganisiertes Netzwerk von 24h-Betreuer:innen und Aktivist:innen entstanden. Im August 2020 gründete DREPT einen Verein und kurz darauf mit der slowakischen Iniciatíva za zlepšenie podmienok v 24h opatrovaní (Initiative zur Verbesserung der Bedingungen in der 24-Stunden-Pflege) den Dachverband IG24.

Dies ist eine deutschsprachige Übersetzung eines auf LeftEast erschienenen englischsprachigen Artikels, in dem eine Betreuerin aus Rumänien über Arbeitsbedingungen, Selbstorganisation und Existenznöte während der Covid19-Pandemie berichtet.

Post(pandemische) Kämpfe in der sozialen Reproduktion: Rumänische 24h-Betreuer:innen in Österreich – Ausbeutung und Selbstorganisierung

Von Cornelia Igas, 13. Januar 2021

Der vorliegende Text wurde gemeinsam von der Redaktion der Internetseite LeftEast und der Plattform Transnational Social Strike herausgeben und ist Teil einer Reihe von Publikationen und Webinaren zu den Themen soziale Reproduktion, (Frauen-)Arbeit und Migration in Ostmitteleuropa und darüber hinaus. Das Ziel der Reihe ist es, das Bewusstsein für die Kämpfe um Arbeits-, Reproduktions- und Migrant:innenrechte zu schärfen, sowie für die Situation von Frauen in der Gesellschaft und wie diese durch den Ausbruch der COVID-19-Pandemie beeinträchtigt wurde. Die Publikationen und Webinare werden in Zusammenarbeit zwischen dem bulgarischen linken feministischen Kollektiv LevFem und der Plattform Transnational Social Strike koordiniert und von der Friedrich Ebert Stiftung – Bulgarien gefördert. Die meisten Teilnehmer:innen der Reihe sind Teil des neu entstandenen Netzwerks EAST (Essential Autonomous Struggles Transnational), das Aktivist:innen und Arbeiter:innen in/aus Ostmitteleuropa vereint. Für weitere Informationen kannst du das Netzwerk unter essentialstruggles@gmail.com kontaktieren. Das Verbreiten von Artikeln aus dieser Serie ist unter der Bedingung erlaubt, dass auf die ursprüngliche Publikationsquelle verwiesen wird.

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